Verkehrswege im Wandel – Wie der Kilpen einst die Region vernetzte

Verkehrswege im Wandel – Wie der Kilpen einst die Region vernetzte
Früher fuhren aufwändige Pferdegespanne mit schwerer Beladung durch den gefährlichen Kilpen (Symbolbild)

Rund 200 Jahre lang war der Kilpen eine vielbefahrene Handelsstrecke. Etwa vom Ende des Dreißigjährigen Kriegs bis zur Badischen Revolution fuhren unzählige Pferdegespanne dort entlang. Schließlich führten nicht viele Wege von der Rheinebene in den hohen Schwarzwald. Beladen mit mehreren Fässern Wein war die Strecke oft nur mit einem größeren Vorspann zu schaffen. Als steil, beschwerlich und gefährlich genoss der Kilpen zweifelhaften Ruf.

Sprecher in dieser Folge: Stephan Wehrle und Hans-Jürgen Wehrle (v. l.)
Sprecher in dieser Folge: Stephan Wehrle und Hans-Jürgen Wehrle (v. l.)

Jedem, der die Strecke von Simonswald in den Schwarzwald-Baar-Kreis je gefahren ist, bleibt die serpentinenähnliche Trasse zwischen Obersimonswald und Gütenbach in Erinnerung. Bis 1854 jedoch war dieser Verkehrsweg sehr viel beschwerlicher. Der einzige Weg von Simonswald in den oberen Schwarzwald führte durch den Kilpen. Nicht selten verunglückten die Wägen im Laufe der rund 600 Höhenmetern hinauf zur damaligen Alteck vor Furtwangen. Heimatforscher Hans-Jürgen Wehrle berichtet aus einer erneut umtriebigen Zeit.

Die Historie des Kilpen – vom Saumpfad bis zum Karrenweg

Bis ins Mittelalter führen die Aufzeichnungen zurück. Um 1316 sollen die Freiburger dem Waldkircher Vogt Heinrich von Schwarzenberg Schutzzoll bezahlt haben, um die Strecke durch Simonswald zu verbieten. Entsprechend wurde aus dem Kilpen ein Saumpfad. Dieser Zustand hielt sich über Jahrhunderte. Als Ende des Dreißigjährigen Kriegs jedoch die alternative Route durch Wagensteig beschädigt wurde, witterten die Simonswälder ihre Chance. Umgehend verbreiterte man den Saumpfad zu einem Karrenweg.

Nach und nach steigerte sich das Verkehrsaufkommen. Entsprechend florierte das Geschäft für die Gasthäuser, die Bäckereien und auch mehrere Generationen der Engel-Wirte. 16 Pferde vermieteten sie nahezu flächendeckend zu teilweise als hoch empfundenen Preisen. Gegen Ende der Ära Kilpensteig verlangte er knapp drei Gulden. Zwar war der Kilpen stets reich bewohnt, teilweise zählte man 300 Personen. Jedoch war das Leben dort hart und rau, insbesondere während der französischen Revolution fanden mehrere Raubzüge der Franzosen statt. Dennoch florierte das dortige Geschäft über lange Zeit. Zur Zeit der Badischen Revolution, die bereits in der dritten Folge ausführlich zur Sprache kam, folgte ein Einschnitt.

Als Robert Gerwig die neue Straße plante

Motiviert durch die florierende Uhrenindustrie in Gütenbach und vor allem in Furtwangen, begannen ab 1844 erste Petitionen, eine neue Straße zu bauen. Der Startschuss des Projekts wurde 1848 mit einem rauschenden Fest beim Alleegarten gegeben. Sechs Böllerschüsse signalisierten den Baubeginn. Überwiegend italienische Gastarbeiter, unterstützt durch viele Simonswälder (oft im Frohndienst) bauten die Straße. Ab 1854 wurde die „neue Straße“ schließlich für den Verkehr freigegeben. Rasant ging es nun mit dem Kilpen sprichwörtlich bergab. Die einst vielbefahrene Strecke verkümmerte zum heute allenfalls attraktiven Wanderweg. Zahlreiche Familien zogen weg, die Häuser verfielen oder wurden abgerissen. Von einst über dreißig Häusern im Kilpen stehen heute nur noch vier.

Aus der Zugstrecke wurde nichts

Mit dem deutschen Kaiserreich ab den 1870ern keimte die Idee auf, eine Eisenbahnstrecke durch Simonswald zu verlegen. Aufgrund mehrerer Einsprüche wurde das Vorhaben jedoch verworfen. Zwar soll es bereits Bestrebungen und gar Pläne gegeben haben, die Elztalbahn ab Bleibach mit der Bregtalbahn in Furtwangen zu verbinden. Beide Strecken wurden ab 1902 schließlich ausgebaut. Doch es blieb beim Traum. Der damalige Untersimonswälder Bürgermeister etwa fürchtete, dass mit einer Bahnstrecke keine Mägde und Arbeiter mehr nach Simonswald kämen, sondern mit dem Zug weiterfahren würden. Ähnliches berichtete Heinrich Hansjakob, der Schwarzwälder Pfarrer, von seiner Heimat Haslach.

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