Fußball in den 1970ern und 80ern – Zwischen Rivalität und Leidenschaft

Fußball in den 1970ern und 80ern – Zwischen Rivalität und Leidenschaft
Collage der früher konkurrierenden Simonswälder Fußballvereine

Die Sportvereine sind die mitgliederstärksten in Simonswald. Neben dem Turn- und Leichtathletikverein locken vor allem auch die beiden Fußballvereine zahlreiche Mitglieder zu regelmäßigen sportlichen Unternehmungen. Die Folge beleuchtet eindrucksvoll, wie sehr es früher im Simonswälder Fußball untereinander zur Sache ging.

Sprecher in dieser Folge: Stephan Wehrle, Hans-Peter Schultis und Reiner Schultis (v. l.)
Sprecher in dieser Folge: Stephan Wehrle, Hans-Peter Schultis und Reiner Schultis (v. l.)

Im Gespräch mit Stephan Wehrle erzählen Hans-Peter und Reiner Schultis aus ihren unvergleichlichen Karrieren. Zu Recht als „Vereinslegenden“ angekündigt, waren die beiden Brüder früher mittendrin, statt nur dabei. Inzwischen im wohlverdienten Ruhestand, prägten sie in den 1970ern und 80ern maßgeblich den Simonswälder Fußball. Pikanterweise allerdings Hans-Peter im Obertal und Reiner im Untertal.

Sympathisch, offen und ausreichend reflektiert berichten sie von der damaligen Rivalität zwischen den Sportfreunden Obersimonswald und dem FC Simonswald.

Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten

Auch ich, Stephan, spielte früher eine Zeit lang Fußball in der 1989 neu gegründeten Jugendspielgemeinschaft Simonswald. Allerdings nur mit (sehr) mäßigem Erfolg und rückblickend wenig Spielverständnis. Sinnvollerweise habe ich meine Stollenschuhe zugunsten des Musikvereins Obersimonswald dann schon recht bald an den Nagel gehängt. Inzwischen bin ich als Dirigent mit B-Schein beim Musikverein Trachtenkapelle Siegelau tätig, die Entscheidung war also richtig.

In Zeiten von 83 Millionen Fußball-Bundestrainern freue ich mich dennoch, mit den beiden Schultis-Brüdern über ihr Herzensthema zu sprechen.

Auf dem Ganterhof ging’s los

Bei den rüstigen Rentnern gibt es auch während der Pandemie keine Langeweile. Hans-Peter findet Ruhe bei der Arbeit im Wald und Abwechslung beim Brauchtumsverein. Auch Reiner weiß sich mit Renovierungen rund ums Haus zu helfen, betreut seine Enkel, treibt Sport oder genießt das Rentenleben bei einer Auszeit. Die Betreuung des Sportgeländes ist bis heute ebenfalls Teil seines Alltags.

Gemeinsam mit den Brüdern Berthold und Hubert wuchsen sie beim Ganterhof in Obersimonswald auf. Schon sehr früh ging’s los mit dem Kicken, Hans-Peter und Reiner jagten als älteste von den vieren in jeder freien Minute dem Ball nach. Berthold konnte dem Fußball wenig abgewinnen. Hubert hingegen sehr viel, war aber acht Jahre jünger und somit zu jung, um bei Hans-Peter und Reiner mitzumischen. Dennoch wurde er ebenfalls ein bedeutender Bestandteil im Simonswälder Fußball. Er darf heute auf mehr als 1.200 Spiele für den FC Simonswald zurückblicken – ein Vereinsrekord, den so schnell niemand brechen wird.

Während unserer Schulzeit war der Ablauf immer gleich: Schule, Heimweg, Lernen, Hofarbeiten und dann endlich Kicken.

Zur Zeit des Weißen Sonntags fragten die Eltern ihre Jungs, welches Hobby es denn sein möge. Die Wahl fiel eindeutig auf den Fußball, so dass sie der Jugend der Sportfreunde Obersimonswald beitraten.

Wann immer Zeit war, bauten sie auch zuhause die Tore auf, schnappten sich den Ball und machten Schusstraining. Einer stand im Tor, der andere übte das Schießen. Als Torhüter eiferten sie schon damals ersten Idolen nach: Reiner war Petar Radenković von 1860 München, Hans-Peter war Hans Tilkowski von Borussia Dortmund. Es drehte sich alles um Fußball, Fußball und Fußball.

Ab der sechsten Klasse war Reiner Hirtenbub beim Balzenhof im Ibendörfle.

In den Fußstapfen des Vaters

Wappen der relevanten Organisationen: Sportfreunde Obersimonswald, FC Simonswald und SG Simonswald-Obersimonswald
Wappen der relevanten Organisationen: Sportfreunde Obersimonswald, FC Simonswald und SG Simonswald-Obersimonswald

Bereits der Vater der vier Jungs spielte eine einflussreiche Rolle im Simonswälder Fußball. Friedrich Schultis, genannt „Schriener Fritz“, war ab 1948 zunächst Gründungsmitglied und Fußballer der Sportfreunde. Später übernahm er den Posten des Jugendleiters im Obertal, bevor er einige Jahre später ebenfalls mit seiner Familie nach Altsimonswald zog. Dass er in den 1960ern auch beim FC Altsimonswald Jugendleiter wurde, galt als „besondere Ehre“. Es war nicht üblich, das Vertrauen beider damals noch konkurrierenden Fußballjugenden zu gewinnen.

Reiner begründet dies darin, dass Vater Fritz durch seine Arbeit beim Sägewerk eines Langholztransportunternehmens entsprechend nahzu überall bekannt und beliebt war. Aus demselben Grund stand für ihn selbst auch fest, die Fußballjugend beim FC Altsimonswald fortzusetzen.

Während der Vater die Laufbahn seiner Söhne mitverfolgte, hielt sich ihre Mutter eher im Hintergrund. Zwar war sie interessiert, bat aber auch hauptsächlich darum, die Jungs mögen sich bitte nicht „auf den Knochen herumhauen“. Auch hielt sie so manche Standpauke, wenn die beiden wiederholt mit dreckigen Kleidern nach Hause kamen, weil sie am Fußballplatz auf dem Schulweg nicht vorbeikamen.

Solange ich noch zuhause gewohnt habe, habe ich selten meine Schuhe selbst geputzt. Das hat immer unsere Mutter gemacht.

Zu einem tiefen Einschnitt kam es 1965. Aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls wurde der Vater invalid und die Jungs waren auf sich allein gestellt. Hans-Peter – inzwischen aus der Schule – blieb bei der Familie, die zwischenzeitlich ebenfalls im Untertal wohnte.

Auch der Götti hatte keine Chance

Reiner (ganz rechts unten) in der A-Jugend 1967
Reiner (ganz rechts unten) in der A-Jugend 1967

Reiner war inzwischen eine gefestigte Größe in der Fußballjugend des FC. Obwohl Hans-Peter zwischenzeitlich ebenfalls im Untertal wohnte, kam ein Wechsel für ihn nicht in Frage. Auch er war schließlich im Obertal gesetzt. Nach wie vor besuchte er jedes Training und jedes Spiel der Sportfreunde mit dem Fahrrad.

Die unterschiedlichen Ambitionen der Vereine führten so zu ersten Konkurrenzkämpfen unter den Brüdern. Um Streitereien zu vermeiden, wurde das Thema Fußball bei Zusammenkünften oft bewusst gemieden.

Wäre da nicht der gemeinsame Patenonkel Alfred Burger. Als Förster war er in Simonswald bestens bekannt und auch regelmäßig bei den Spielen des FC. Nicht selten heizte er die Stimmung ein wenig auf.

Immer wieder versuchte er mich ins Untertal zu lotsen. Ich habe ihm von Anfang an gesagt, das könne er komplett vergessen.

Nach Herzenslust fragte er die Jungs nach ihrem Befinden. Er interessierte sich gleichermaßen für die Werdegänge der beiden im Fußball und im Privatleben. Natürlich hatte er etliche „Tipps“ parat und war – nicht ganz uneigennützig – um das Wohlbefinden der Brüder bemüht.

Fahrdienste durch Trainer und Jugendleiter

Inzwischen lebte die Familie Schultis im Untertal im Haus neben der Krone-Post. Während für Reiner der Weg zum Sportplatz nun keine fünf Minuten betrug, nahm Hans-Peter nach wie vor die Fahrradfahrt ins Obertal in Kauf. Dies war der übliche Ablauf bei jedem Training und jedem Heimspiel.

Generell hatten die Jungs selbst dafür zu sorgen, auch bei Auswärtsspielen zum Treffpunkt zu kommen. Gelegentlich wurde ein Kleinbus organisiert, oft fuhren aber auch Trainer und/oder Jugendleiter die Jugendspieler wieder nach Hause.

An Vorbildern orientiert

Übers Radio waren die Brüder stets über den Fußball in Deutschland informiert. Nach den beiden Torhütern aus der frühen Jugend waren die Vorbilder inzwischen andere. Hans-Peter war (und ist) Anhänger des 1. FC Köln und eiferte dort insbesondere Wolfgang Overath nach. Die Kölner waren auch gleich Meister in der ersten Bundesliga-Saison. Reiner sympathisierte mit dem TSV 1860 München, die drei Jahre später Meister wurden. Dort hatte es ihm besonders Fredy Heiß angetan, dessen Rückennummer #7 auch er während der Jugend trug. Im Gegensatz zum älteren Bruder hatte er auch Sammelbilder, Poster und was damals sonst noch üblich war. Er betonte zudem, dass er auch den älteren Fußballkameraden im eigenen Verein nacheiferte.

Allmählich hatten sich auch die Spielpositionen der Brüder gefestigt. Dass niemand Torhüter wie der Vater werden wollte, war recht schnell klar. Von den Trainern entsprechend gefordert und gefördert, entwickelten sich beide allmählich zu Stürmern in ihrer Mannschaft. Die spätere Torstatistik bekräftigte diese Entscheidung.

Statistiken & Co. zur damaligen Zeit finden sich im gelungenen, umfassenden kleinen Buch „Jugendfußball im Simonswald“ von Lutz Wangler.

Anekdoten aus der Jugend

Hans-Peter (knieend, 2. v. l.) in der Obertäler A-Jugend, 1966
Hans-Peter (knieend, 2. v. l.) in der Obertäler A-Jugend, 1966

Hans-Peter blieb besonders die gute Kameradschaft während seiner Jugend in Erinnerung. Zum Schmunzeln brachte ihn zudem die Erinnerung an Jugendleiter Erich Braun.

Weil niemand sonst Zeit für Fahrdienste hatte, blieb der Mannschaft nur das VW Cabrio unseres Jugendleiters. Und so quetschten wir elf Spieler uns um ihn als Fahrer herum ins Cabrio und fuhren zum Spiel nach Elzach. Solche Erlebnisse prägten den Zusammenhalt.

Ebenfalls Erich Braun war es, der eines Sonntags ein Spiel zwischen den „Oberen Obertälern“ und den Bewohnern vom „Kilpen“ veranstaltete. Die Partie wurde fünf gegen sechs ausgetragen und fand auf der Kilpenhöhe, unterhalb der Hohensteig statt. Anschließend saß man gemütlich im Kilpen bei Erich Braun zusammen und lief nachts wieder nach Hause. Hans-Peter war dort etwa 15 Jahre alt.

Ähnlich erging es Reiner. Im Ibendörfle rund um den Balzenhof wurde ebenfalls gekickt, was das Zeug hält.

Von s’Balze, Vogtsbure, Winterbure, Schuhbure kamen viele gute Kicker. Fast jeden Abend spielten wir Fußball.

Viele, die Reiners Laufbahn verfolgten, behaupten daher auch, er habe im Ibendörfle das Fußball spielen gelernt.

Zufälligerweise unterhielt sich Reiner auch am Vormittag der Aufzeichnung dieser Folge mit einem älteren Fußballkameraden von früher. Dieser sagte ihm, dass damals ein wahrer Freudenschrei durchs Untertal ging, als klar war, dass Reiner vom Obertal wechseln würde. Er zeigte sich sichtlich bewegt, als er davon erzählte.

Rückblicke auf den Fußball in der Jugend

Hans-Peter erlebte in der B- und später der A-Jugend (mehr gab es nicht) die üblichen Höhen und Tiefen im Fußball. So war man zunächst außer Konkurrenz, in den beiden Folgesaisons jedoch zweimal Letzter der Tabelle.

Reiner wurde mit der B-Jugend Gruppensieger und war mit 56 Treffern auch Torschützenkönig. Im Folgejahr feierte man erneut die Meisterschaft, ab der A-Jugend war Reiner schließlich Spielführer.

Entsprechend war er auch zusammen mit Klaus Rösch, Josef Fehrenbach und Erich Hummel Teil einer Auswahlmannschaft. Diese spielte gegen den VfR Heilbronn und verlor 2:4. Reiner erzielte zwar ein Tor, konnte sich aber an die Begegnung nicht mehr erinnern.

Has und Köpfle

Hans-Peters erste Jahre im Jugendfußball (stehend 2. v. r.). Man vergleiche seine Körpergröße mit der des Torwarts.
Hans-Peters erste Jahre im Jugendfußball (stehend 2. v. r.). Man vergleiche seine Körpergröße mit der des Torwarts.

Mangels anderer Mannschaften im Obertal spielte Hans-Peter vier Jahre lang in der A-Jugend. Entsprechend war er oft deutlich kleiner als seine Mannschaftskameraden. Die fehlende Körpergröße machte er jedoch durch enorme Wendigkeit und Geschwindigkeit wieder wett. Schnell etablierte sich sein Spitzname „Has“, die alemannische Kurzform für den schnellen „Hasen“.

Ich war immer zwei Köpfe kleiner als die anderen. Erzählungen nach sei ich einmal einem Gegenspieler durch die Beine gerannt.

Auch Reiner sei kein Riese gewesen und habe immer zu den Kleinsten gehört. Dennoch erzielte er sehr viele Kopfballtore, was Mannschaftskameraden Erwin Henzmann dazu bewegte, Reiner den Spitznamen „Köpfle“ zu verpassen.

Durch die Schule in den Vereinen gefestigt

Trotz oben erwähnter, größerer Rivalität der Ober- und Untertäler Jugenden können sich beide kaum an Abwerbungen erinnern. Oft waren es auch Schulkameraden, die gemeinsam Fußball spielten und daher nicht an einem Wechsel interessiert waren.

Gefördert durch Hauptlehrer Dieter Schultis wurde im damaligen Schulsport fast ausschließlich Fußball gespielt. Reiner erinnerte sich, dass von 13 Schulkameraden 12 Fußball spielten. Die A- und B-Jugenden bestanden somit fast ausschließlich aus den Jahrgängen 1950 bis 1952, die auch regelmäßig Meister wurden.

Anfänge bei den Aktiven

Simonswälder Auswahlmannschaft mit beiden Schultis-Brüdern (stehend 3. und 5. v. r.)
Simonswälder Auswahlmannschaft mit beiden Schultis-Brüdern (stehend 3. und 5. v. r.) im Wildsau-Stadion

Schon in Hans-Peters zweiter Saison bei den Aktiven ging es rund. Unter Trainer Friedrich „Gigi Fritz“ Kaltenbach feierte mit 20-2-2 Siegen und 103:32 Toren souverän die Meisterschaft. Hans-Peter war bereits als Leistungsträger mit von der Partie. Auch in den Folgejahren erzielte man knapp 100 Tore, kassierte aber je auch viele Gegentore, was Hans-Peter in den Platzverhältnissen begründet sah.

Die Spiele wurden damals im „Wildsau-Stadion“ ausgetragen. Den Fußballplatz oberhalb des Gasthauses Erle gegenüber des Mattenhofs gibt es heute noch. An ihm führen unter anderem die dritte Etappe des ZweiTälerSteigs und die Wildbach-Tour vorbei.

Mitten in einem Fußballspiel rannte ein Wildschwein auf den Platz. Sie wollte flüchten, scheiterte aber an der Felswand. Um Panik oder Verletzungen unter den Zuschauern zu vermeiden, zog der Schiedsrichter ein Messer und erlegte das Tier. Seither sprach man vom „Wildsau-Stadion“.

Generell waren die Abmessungen damaliger Fußballplätze deutlich kleiner als heute. Auch waren Hartplätze deutlich verbreiteter als Rasenplätze. Niederwinden, Oberwinden, Yach, Freiamt, Oberprechtal hatten allesamt Hartplätze ähnlicher Größe. Im Freiburger Raum hingegen waren die Plätze deutlich größer. Entsprechend lange Gesichter machten die Gegner, als sie auf den kleinen Plätzen spielen mussten.

Rivalität in Reinform

Portrait von Hans-Peter, 1971
Portrait von Hans-Peter, 1971

Von besonderer Bedeutung ist die Saison 1970/71. Dort spielten die Sportfreunde Obersimonswald und der FC Simonswald nach längerer Zeit wieder für eine Saison in der gleichen Liga. Während die Untertäler vorne mitmischten, kämpften die Obertäler gegen den Abstieg. Entsprechend großspurig wurden diese am Ostermontag 1971 im Untertal empfangen.

Die Zeichen standen tatsächlich schlecht fürs Obertal. Hans-Peter erzählte, man sei Tabellenletzter gewesen und durfte nicht allzu viel erwarten. Daher erschienen auch die Hänseleien einiger FC-Fans zunächst als gerechtfertigt, die unter anderem „Wie viele wollt ihr auf den Arsch?“ skandierten.

Das Spiel wurde sehnsüchtig erwartet. Einige der besagten Fans zelteten von Karsamstag bis zu jenem Ostermontag und zelebrierten die Partie herbei.

Entgegen aller Erwartungen gewannen die Obertäler aber 2:1 im Feindesland und wurden von ihren Fans frenetisch gefeiert. Manche Spieler wurden unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf den Schultern die Kirchstraße entlang zum Umkleidelokal im Gasthaus Hirschen getragen.

Den ganzen restlichen Tag ist man nach dem Sieg immer wieder kurz ins Untertal, um ein wenig zu provozieren.

Reiner schien das Geschehen verdrängt zu haben. Kleinlaut betonte er, dass dies „wohl so gewesen sein muss“. Während Hans-Peter grinste, musste sein jüngerer Bruder konstatieren, dass der FC dadurch die Meisterschaft und den Aufstieg verpasst habe, während die Sportfreunde trotzdem abstiegen. Ironischerweise konnte auch die Vorrundenpartie das Obertal für sich entscheiden.

Trotz des zweiten Tabellenplatzes war im Untertal in dieser Saison der Wurm drin. Von der Kündigung ihres teuren Trainers Schumann erfuhren die Verantwortlichen aus der Presse. Somit stand man ab dem 7. Spieltag ohne Trainer und mit finanziellem Loch da. Josef Wahl übernahm interimsweise und führte die Mannschaft immerhin zum zweiten Platz.

Reiner konnte aber auch dieser Schmach etwas abgewinnen. Der zweite Tabellenplatz wurmte die Mannschaft so sehr, dass man in der Folgesaison erst recht angreifen wollte.

Kurzer Ausflug nach Furtwangen

Meistermannschaft 1972 nach Reiners (stehend 3. v. r.) Rückkehr
Meistermannschaft 1972 nach Reiners (stehend 3. v. r.) Rückkehr

Unter Trainer Kurt Sibilia standen die Zeichen auf Angriff. Allerdings galt es den nächsten Brocken zu verdauen. Selbstverständlich stach Reiner durch seine positive Spielweise (schon während der Jugendzeit) hervor und wurde so auch vom FC 07 Furtwangen gesichtet. Diese spielten in der Saison 1971/72 in der 1. Amateuerliga Schwarzwald-Bodensee – der dritten Liga des DFB – und verpflichteten den Leistungsträger des FC Simonswald.

Die Chance war groß, der Leistungsdruck allerdings auch. Immerhin lagen zwei Ligen dazwischen, so dass für Reiner sprichwörtlich ein anderer Wind in Furtwangen wehte.

Gemeinsam mit Torwart Josef Weis, der ebenfalls in Furtwangen spielte und stets mit dem Auto fuhr, tauchte man in das Abenteuer ein. Nach dem üblichen Vereinswechsel begann die Saison für die beiden Simonswälder im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Sportlich verlief diese jedoch denkbar schlecht. Nach 30 Spielen belegte Furtwangen mit 7:53 Punkten und 13:87 Toren den letzten Tabellenplatz und stieg wieder ab. So weit ließ Reiner es allerdings gar nicht erst kommen. Etwaige Gedanken, Profifußballer zu werden, keimten daher auch nicht auf.

Ich war oft Auswechselspieler und konnte mich sportlich nicht durchsetzen. Auch hatte ich Heimweh nach den Kameraden, so dass ich zur Rückrunde wieder nach Simonswald wechselte.

Zwar konnte Reiner enorm viel lernen, die Abläufe der Spieltage, die Trainings und auch die Organisation etwa waren sehr professionell. Allerdings ging die Spielfreude verloren, die ihm nach dem Wechsel in Simonswald wieder garantiert war.

Als der Wechsel zurück feststand, wurden beim FC alle Hebel in Bewegung gesetzt. „Aufgrund von Platzverhältnissen“ erwirkte man eine Verschiebung der ersten beiden Rückrundenspiele. Somit war Reiner, der eine Sperre von drei Monaten abwarten musste, von Anfang an mit von der Partie.

Bundeswehr und Fußball

Zu allem Überfluss war Reiner inmitten dieser umtriebigen Zeit auch bei der Bundeswehr. Zunächst aber berichtete Hans-Peter von seiner Dienstzeit. Er verbrachte seinen Wehrdienst im schwäbischen Böblingen. Mangels Auto konnte er stets mit einem Kameraden aus Königschaffhausen mitfahren, zu dem er noch heute engen Kontakt pflegt.

Hans-Peter (mitte links) in der Meistermannschaft 1975
Hans-Peter (mitte links) in der Meistermannschaft 1975

Freitags ging es nach Hause, Sonntags wieder hoch – zugestiegen ist Hans-Peter stets in Riegel.

Die 10 DM Fahrtgeld für meinen Bundeswehr-Kameraden wurden von der Mannschaft aufgebracht. Nach jeder Partie sammelte ich eine Mark je Spieler ein, bis ich den Zehner zusammen hatte. Es war ihr Dank dafür, dass ich die Spiele wahrnehmen konnte.

Reiner verbrachte die Dienstzeit in Pfullendorf. Körperlich sei es eine harte Zeit gewesen – neben den anspruchsvollen Spielen mit Furtwangen war er natürlich auch beim Bund gefordert.

Am Ende der Saison belegte man punktgleich mit dem SV Waldkirch II den ersten Tabellenplatz. Entsprechend kam es zu einem Entscheidungsspiel an einem Mittwochabend auf neutralem Gelände in Gutach.

Pikanterweise war Reiner an jenem Tag auf einer Bundeswehr-Übung. Eigentlich. Denn auch hier waltete der FC und nahm Kontakt mit dem Kompaniechef auf, so dass er für diesen Tag befreit wurde.

Bei strömendem Regen gewann der FC Simonswald das Spiel gegen Waldkirch II. Selbstverständlich steuerte beim 3:1-Sieg auch Reiner ein Tor bei und feierte mit seiner Mannschaft bis tief in die Nacht. Am nächsten Tag ging es dann wieder nach Pfullendorf zur Übung. Dieses Spiel verbucht er als das wichtigste und das Erlebnis drum herum als das schönste seiner Karriere.

Simonswälder Fußball-Tage

Einige Jahre später, zur Zeit der 800-Jahr-Feier und bereits nach der Zusammenlegung aller Ortsteile zur Gesamtgemeinde Simonswald wuchs die Sehnsucht nach Lokalkämpfen. Da stets in unterschiedlichen Ligen gespielt wurde, lag die letzte denkwürdige Begegnung lange zurück. So kam es 1978 zu den „Simonswälder Fußball-Tagen“. Die Gemeinde stiftete einen Wanderpokal, neben den Aktiven traten auch die Jugendmannschaften aus Ober- und Untertal gegeneinander an.

Der Ehrgeiz war von Anfang an spürbar. Am Ende gab es drei Verletzte zu beklagen – zwei beim FC, einer bei den Sportfreunden. Entsprechend wurde das Projekt gleich wieder in Frage gestellt.

Man war zu verbissen, zu ehrgeizig. Es kam ständig zu Diskussionen. Zu der Zeit waren sich Obertal und Untertal beim besten Willen nicht mehr grün. Daran möchte ich mich nicht gern erinnern.

Es hagelte Sondersitzungen der Vorstandschaften, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Zwar betonte Hans-Peter, dass die Verletzungen sehr wahrscheinlich nicht absichtlich herbei geführt wurden, aber offenbar musste man damit rechnen.

Kurzum änderte man das Konzept und lud nun auch Gastmannschaften ein, um die Dynamik etwas zu entzerren.

Beide Brüder waren sich einig, dass die Vereine in dieser Zeit wohl am heftigsten konkurrierten. Im Simonswälder Fußball war mächtig Feuer.

Hans-Peter (r.) als Trainer der C-Jugend-Meistermannschaft, 1979
Hans-Peter (r.) als Trainer der C-Jugend-Meistermannschaft, 1979

Nachgeschoben I: Was es noch zu erzählen gab

Auch wenn die Folge insgesamt relativ lang dauert, gibt es darüber hinaus immer noch unzählige Anekdoten zu berichten. Witzigerweise kamen einige davon erst ans Tageslicht, als das Mikrofon nicht mehr aufzeichnete.

Denn nach der Aufzeichnung wurden die beiden rüstigen Rentner wieder die begeisterten Jugendfußballer von damals. Mit leuchtenden Augen, einem zufriedenen Grinsen und einem Blick, der sich zu gleichen Teilen aus Nostalgie, Demut, Zufriedenheit und Freude zusammensetzt.

Nachgeschoben II: Die Vereinsaktivitäten

Mit einem nachträglich eingesprochenen Block möchte ich einen Teil jener Dinge nachholen.

  • Zunächst waren beide erfreut, beim Podcast mitzuwirken, betonten aber bescheiden, dass die jeweiligen Vereine sehr groß sind. Es gäbe definitiv weitere Geschichten anderer Vereinsmitglieder zu erzählen.
  • Fürs Untertal wurden etwa die Tanzabende im Bären und die großen Feste auf dem Sägplatz erwähnt. Fürs Obertal sind etwa die Nachtturniere im Wildsaustadion und die Festhocks zum 1. Mai zu erwähnen.
  • In den Glanzzeiten des FC Simonswald waren meist 300 bis 400 Gäste bei Heimspielen zugegen. Wenn es auswärts wichtig wurde, reiste man mit gleich zwei Bussen der Firmen Obert und Fackler an.
  • Auch die Sportfreunde Obersimonswald konnten eine ganze Reihe Meisterschaften feiern. Wenn auch jeweils die ein oder andere Liga tiefer als der FC, aber Meister bleibt Meister. Zudem hatte neben sportlichem Ehrgeiz im Obertal stets auch die so wichtige Kameradschaft und Geselligkeit einen hohen Stellenwert.

Nachgeschoben III: Geheimwaffe Heimvorteil

Fachlich unterhaltsam waren auch die Erzählungen von den Tricksereien.

  • So erklärte man im Untertal gelegentlich den Rasenplatz für unspielbar, um den Gegner auf den gefürchteten Hartplatz zu zwingen.
  • Bei der Platzwahl nutzte man das leichte Gefälle und spielte einen weiteren Heimvorteil aus.
  • Zuletzt nutzte man die Möglichkeiten der Schraubstollen, um in der Halbzeit von Leder- auf Alustollen oder von den langen auf die kurzen zu wechseln. Je nach Platzverhältnissen.

Ganz früher sei es noch üblich gewesen, die Platzbegrenzungen von Hand mit Sägmehl zu streuen, was unter anderem auch in Reiners Aufgabe als Platzwart fiel, die er seit 1995 bis heute ausübt.

Hans-Peter (4. v. l.) als aktiver Beisitzer in seinem zweiten Jahr in der Vorstandschaft, 1973
Hans-Peter (4. v. l.) als aktiver Beisitzer in seinem zweiten Jahr in der Vorstandschaft, 1973

Beide Brüder waren je über 30 Jahre in der Vorstandschaft. Hans-Peter hält zudem den Rekord von 19 Jahren als Jugendleiter. Nicht unerwähnt darf zudem bleiben, dass er als ebenfalls langjähriger Jugendtrainer oft alle seine Schützlinge selbst zu den Trainings von zuhause abholte und auch wieder nach Hause brachte. Tausende Kilometer also, die sich neben seinem beeindruckenden Stundenkonto für den SVO einreihen.

Es liegt auf der Hand, dass natürlich auch jetzt eine ganze Menge Infos und Geschichten fehlen. Für die vollständige Version gibt es nur eine einzige Möglichkeit: fragt die beiden Herren doch am besten selbst, wenn ihr sie in Simonswald trefft. Die Wahrscheinlichkeit ist bei Heimspielen übrigens besonders hoch, sofern diese in hoffentlich naher Zukunft wieder möglich sind.

Schwere Verletzung und der Kampf zurück

Im Oktober 1978 prallte Reiner im Spiel gegen Waldkirch mit einem Abwehrspieler zusammen. Bewusstlosigkeit, Schädelbruch, Hirnblutung waren nur einige Vokabeln der Horrorgeschichte. Sowohl für Familie als auch den FC war die Situation äußerst schwierig. Sehr guten Ärzten hatte er jedoch eine gelungene Genesung zu verdanken. Nicht alle waren mit seiner Rückkehr zum Fußball einverstanden – dennoch gaben sie zähneknirschend das OK.

Ein halbes Jahr fiel der Spielmacher insgesamt aus, was der Mannschaft einen Schlag versetzte. Nach sechs Jahren in der Landesliga stieg man auf dem letzten Tabellenplatz ab.

Neustart in der Bezirksliga

Bezirksliga-Meister mit Kapitän Reiner (stehend 4. v. r.)
Bezirksliga-Meister 1979/80 mit dem genesenen Kapitän Reiner (stehend 4. v. r.) und Trainer Linsenmaier (stehend 2. v. l.)

Linsenmaier wurde der FC 1979/80 Meister in der Bezirksliga. Pünktlich zum 50-jährigen Bestehen des Vereins kehrten Reiner & Co. wieder in die Landesliga zurück.

Hans Linsenmaier, seines Zeichens Großvater der heutigen gleichnamigen Freiburger Eishockeyspieler Niko und Timo, war eine Größe im Südbadischen Fußball. Ein wahrer Glücksgriff des FC. Unter anderem spielte er in den 1960ern für Borussia Neunkirchen und den TSV 1860 München in der Bundesliga, bevor er für fünf Jahre zum Freiburger FC wechselte, wo er seine Karriere ausklingen ließ.

Hans Linsenmaier prägte die zweite Hälfte meiner Landesliga-Laufbahn maßgeblich. Durch sein Netzwerk bekamen wir auch immer gute Spieler aus dem Freiburger Raum. Ihn als Trainer möchte ich nicht missen, es war großartig.

Reiner pflegte auch bis heute stets ein sehr gutes Verhältnis zu Linsenmaier, hatte aber zuletzt etwas weniger Kontakt.

Beginn von Hans-Peters Jugendtrainer-Ära

Hans-Peter (stehend 4. v. r.) mit der Meistermannschaft 1984
Hans-Peter (stehend 4. v. r.) mit der Meistermannschaft 1984

1984 war für die Sportfreunde Obersimonswald ein besonders erfolgreiches Jahr. Hans-Peter war inzwischen ein langjähriger Jugendleiter und auch Trainer. Mit der neu gegründeten F-Jugend wurden die Obertäler zweimal in Folge Meister. Ebenfalls die Meisterschaft feiern konnten im selben Jahr Hans-Peter mit der Ersten sowie die zweite Mannschaft.

Nur eine Woche später nach der errungenen Bezirksmeisterschaft erreichte die Obertäler F-Jugend unter Trainer Hans-Peter den dritten Platz bei der Südbadischen Meisterschaft.

Die Mannschaft hatte einen Spieler, der alles überragte. Bernhard Weis erzielte in seinen 260 Jugendspielen fürs Obertal ganze 560 Tore.

Obertäler F-Jugend als Bezirksmeister unter Trainer Hans-Peter, 1984 (links mit Polkal: Bernhard Weis)
Obertäler F-Jugend als Bezirksmeister unter Trainer Hans-Peter, 1984 (links mit Pokal: Bernhard Weis)

Hans-Peter kann sich an kein Spiel erinnern, in dem Bente, wie Bernhard genannt wurde, weniger als fünf Tore erzielt hätte. Nicht ohne Stolz berichtet Hans-Peter auch, dass Bente später deutlich höherklassig spielte. Nach der A-Jugend bei Borussia Mönchengladbach hatte von 1994 bis 2002 Stationen beim FC Vaduz, beim FC Augsburg, den Bayern Amateuren, Waldhof Mannheim und Eintracht Trier. Dabei spielte er dreimal in der 2. Bundesliga und über 120 mal in der Regionalliga. Auch war er ab 2012 einige Jahre Co-Trainer der U-19 des SC Freiburg. Leider verfolgte ihn das Verletzungspech, sonst wäre eine Karriere womöglich noch erfolgreicher verlaufen.

Bente zeichnete zudem aus, dass er ein hervorragender Einzelspieler war, aber eben auch ein guter Teamplayer. Seine Mitspieler waren froh, ihn in ihren Reihen zu wissen.

Rückblickend stellt Hans-Peter auch fest, dass heute eher weniger explizit Einzelspieler herausgebracht werden, als es früher noch der Fall gewesen sei.

Erneut ein vergessenes Auswahlmannschaftsspiel

Auch Hans-Peter wollte sein Mitwirken in einer Auswahlmannschaft nicht mehr einfallen. Eine Elztal-Auswahl spielte in Obersimonswald gegen den SC Freiburg, bei der er „mit Sicherheit“ mit von der Partie gewesen sei. Sehr wohl erinnern kann er sich an diverse Spiele von Elztal- oder Simonswälderauswahlen im„Wildsau-Stadion“ gegen höherklassige Vereine wie Furtwangen. Heute wäre dies aufgrund der kleinen Abmessungen undenkbar.

Freundschaftsspiel in Budapest

In besagten Jahrzehnten unternahmen die Sportfreunde oft Vereinsausflüge. Hans-Peter betonte den Unterschied zu den Mannschaftsausflügen, die beim FC Simonswald eher üblich waren. Bei den Obertälern seien auch ältere Mitglieder, Partnerinnen und weitere mit dabei gewesen.

Die Ausflüge fanden stets mit dem Omnibus statt. Nach einem eindrucksvollen Ausflug nach Prag 1973 ging es 1985 schließlich nach Budapest. Damals hatte man noch mehrstündigen Aufenthalt an der Grenze, bevor man in die Tschechoslowakei oder nach Ungarn passieren konnte.

Durch Beziehungen konnte die erste Mannschaft der Obertäler ein Freundschaftsspiel im großen MTK-Stadion gegen eine dortige AH-Auswahl bestreiten.

Auf den ersten Blick dachten wir, dass wir die älteren, beleibten Herren sicher besiegen werden. Doch nix da, wir verloren 3:1. Trotzdem, Stephan, das eine Obersimonswälder Tor erzielte Dein Vater Hubert.

In der Tat dämmert mir wieder die Erzählung meines Vaters, das „erste und einzige internationale Tor für die Sportfreunde Obersimonswald“ erzielt zu haben. Auch die anschließende Führung durchs Stadion sei ein echtes Erlebnis gewesen.

Auch bei den Untertälern wurde es international. Ein Jahr später, 1986, hatte die Malaysianische Nationalmannschaft ihr Trainingslager in Freiburg. Durch Beziehungen gelang es, sie für ein Freundschaftsspiel nach Simonswald einzuladen, in dem natürlich auch Reiner mitwirkte.

Sonstiges in den 1980ern

Trainer Linsenmaier (stehend r.) neben Kapitän Reiner (2. v. r.) in der Jubiläumsmannschaft 1980
Trainer Linsenmaier (stehend r.) neben Kapitän Reiner (2. v. r.) in der Jubiläumsmannschaft 1980

1981 konnte der FC Simonswald in der Saison um den Südbadischen Vereinspokal einen 3:1-Sieg gegen den damaligen Oberligisten RV Rastatt erringen.

Reiner betonte zudem, dass es grundsätzlich immer etwas besonderes für ihn gewesen sei, mit Simonswald über so viele Jahre hinweg in der Landesliga gespielt haben zu können.

Mit 1.800 Einwohnern waren wir vom FC Simonswald in der zweiten Amateurliga meist vor Elzach, Kollnau, Gutach und wie sie alle heißen. Das war ein großer Erfolg.

Maßgeblich seien auch die sehr guten Trainer gewesen, die der FC verpflichtete. Zu verdanken sei dies laut Reiner der stets sehr guten Vereinsführung.

In eher tragischer Erinnerung ist Reiner die Saison 1983/1984. Dort fehlte ein einziges Tor, weswegen man den Aufstieg in die Verbandsliga verpasste. Im letzten Spiel unterlag man auswärts in Laufenburg auf dem gefürchteten Hartplatz, die dadurch die Liga halten konnten. Währenddessen gewann Tabellenführer Emmendingen in Jetstetten. Simonswald belegte letztlich punktgleich (40:20) den zweiten Platz, wies aber eine Differenz von nur +28 Toren auf gegenüber den +29 der Kreisstädter.

Gefühlt war ganz Simonswald mit dabei in Laufenburg. Dort zu verlieren und gleichzeitig die Meisterschaft zu verspielen, war eine Tragödie. Im Bus heimwärts herrschte Trauerstimmung. So ist Fußball.

Während 1989 der Abstieg gerade so abgewendet werden konnte, festigte der FC sich wieder in der Landesliga unter Trainer Thomas Schneider. Auch diesen hatte Reiner in sehr guter Erinnerung, obwohl er nicht lange unter ihm spielte. Aber er brachte neue Impulse mit, war ebenfalls gut vernetzt und verhalf dem FC zu einem Aufschwung.

Blick aufs Sündenregister

Beide Brüder waren äußerst faire Spieler. Während Reiner mit 35 Jahren seine einzige rote Karte erhielt – er bezweifelt, dass sie berechtigt war –, blieb Hans-Peter sogar komplett ohne rote Karte. Einen einzigen Platzverweis erhielt er dennoch. In einigen Saisons gab es Zeitstrafen, vergleichbar mit den jenem im Eishockey. Den zehnminütigen Verweis erhielt er wohlgemerkt nach einem Disput mit einem eigenen Spieler, dem späteren Vorsitzenden Alfred Hug.

Erwähnenswert ist dahingehend, dass die Sportfreunde Obersimonswald (Aktive UND Jugend) 1982 der einzige komplett straffreie Verein im Bezirk waren.

Wir waren 1982 nicht nur auf dem Platz komplett strafffrei – sondern auch im ganzen Ablauf. Wir ließen uns nichts zu Schulden kommen, waren immer am Start und verhielten uns korrekt.

Reiner ergänzte, dass er in der frühen Jugend von seinem eigenen Vater vom Platz gestellt wurde. Dieser pfiff ein Spiel und verwies ihn des Spielfeldes.

Erste Langzeiterfolge

Pressebericht zur Auszeichnung Reiners (m.) für 750 Spiele von Horst Eckel (l.) und mit Willi Reich (r.)
Pressebericht zur Auszeichnung Reiners (m.) für 750 Spiele von Horst Eckel (l.) und mit Willi Reich (r.)

1989 erreichte Reiner die Marke von 750 Spielen. Für seine langjährigen Verdienste um den Verein ermöglichte der FC die Präsenz einer Fußballerikone. Zum letzten Heimspiel der Runde erschien – total überraschend für Reiner – mit Horst Eckel ein echter Fußball-Weltmeister von 1954.

Ich wüsste nicht, dass es im Elztal das einmal gegeben hätte, dass jemand von einem Fußball-Weltmeister für eine bestimmte Anzahl von Spielen geehrt wurde.

Gleichzeitig nahm auch Bruder Hubert Schultis die Ehrung für 500 Spiele entgegen.

Die Saison 1990/1991 war die letzte aktive Saison von Reiner, die er mit 47 Einsätzen absolvierte.

Insgesamt kam Reiner auf 854 Spiele (Platz 2 beim FC nach Bruder Hubert mit über unfassbaren 1.200 Spielen) und erzielte 450 Tore (Platz 1).

In beiden Ranglisten auf Platz 1 bei den Sportfreunden hingegen landete Hans-Peter. Mit etwas mehr als 800 Spielen und 290 Toren führte er diese Listen an. Um den nachkommenden Jugendfußballern nicht im Weg zu stehen, räumte er als Jugendleiter seinen Platz in der ersten Mannschaft und wechselte zur damals sehr erfolgreichen dritten Mannschaft. Die Sportfreunde seien damals einer der wenigen Vereine gewesen, die drei Mannschaften anmeldeten.

Ein Geben und Nehmen – wenn auch notgedrungen

Landesliga-Vizemeister 1986/87 mit Kapitän Reiner (stehend, 3. v. r.)
Landesliga-Vizemeister 1986/87 mit Kapitän Reiner (stehend, 3. v. r.)

Der langjährige Erfolg des FC in der Landesliga wirkte sich auch positiv für die Sportfreunde aus. Während man bei Anfragen aus dem Untertal nach erfolgreichen Spielern stets hart blieb und einen Wechsel grundsätzlich zu verhindern versuchte, kamen umgekehrt die ein oder anderen Spieler ins Obertal, die unten das Nachsehen hatten.

Sobald wir bemerkten, dass von uns Obertälern jemand ins Untertal wollte, haben wir uns mit Händen und Füßen gewehrt.

Auch wenn sich einheimische Spieler aufgrund der vielen Neuzugänge in Simonswald nicht mehr wohl fühlten, traten sie gelegentlich den Gang ins Obertal an.

Hans-Peter stellte klar, dass Obersimonswald rein geographisch kein populärer Verein war, zu dem man wechselte. Umso erfreuter war man, wenn sich ein weiterer Spieler aus dem Untertal ankündigte.

Hans-Peters Bemerkung, es seien auch einige Spieler ins Untertal gewechselt, widersprach Reiner seinem Bruder entschieden. Noch zu Beginn der Landesliga-Zeit war ein Wechsel für Obertäler wenig attraktiv. Später dann wären einige Kandidaten in Frage gekommen, die aber laut Reiner trotz mehrmaliger Ankündigungen keine Freigabe erhielten. Oft hieß es „Ich komme nächstes oder übernächstes Jahr“, was letztlich jedoch selten der Fall war.

Umgekehrt hätten die Untertäler Spieler nach ihrem Wechsel ins Obertal bei den Sportfreunden sichtlich etwas bewegt.

Trainer & Co.

Hans-Peter hob hervor, dass jeder Trainer seine Besonderheiten im Training hatte. Manche Trainer wie Willi Schumann oder Kurt Sibilia waren sowohl im Obertal als auch im Untertal tätig. Diese beiden sind ihm auch in besonderer Erinnerung.

Sibilias Trainingsmethoden seien zwar nicht besonders hervorgestochen, aber er verstand es, die Mannschaft vor den Spielen auf den Gegner einzustellen. Er wusste genau, wo der Gegner Stärken und Schwächen hatte und wie man gegen ihn zu spielen hatte. Amüsant war auch sein regelmäßiges Zuspätkommen, da er angeblich wieder „hinter einem Lastwagen herfahren“ musste.

Schumann hingegen blieb aufgrund der eigenartigen Trainingsmethoden in Erinnerung. Oft trainierte er von 20 bis 23 Uhr, gegen Ende nur noch mit wenigen Spielern.

Einmal hatte einer von uns im Spiel das leere Tor nicht getroffen. Im nächsten Training ließ Schumann ihn fünf Minuten mit den Kickschuhen gegen den Pfosten treten.

Unter anderem war es diesen Methoden zu verdanken, dass er sich selten eine ganze Saison in Simonswald halten konnte – ob im Obertal oder im Untertal. Der Bevölkerung blieb er zudem in Erinnerung, weil er sonntags mit seinem Mofa, Hut und weißem langem Schal durch Simonswald fuhr.

Persönliche Verhältnisse

Beide Brüder pflegten stets gute Verhältnisse zu ihren Trainern und konnten jedem etwas abgewinnen.

Ein Trainer sagte mir mal, dass er während des Spiels wenig Einfluss auf die Mannschaft habe. Umso wichtiger seien die Absprachen vorher in den Trainings. Im Spiel selbst sei die Mannschaft verantwortlich, nicht der Trainer.

In den Anfängen der Karrieren der Brüder gab es noch keine Auswechslungen. Die elf vom Trainer festgelegten Spieler spielten, alle anderen hatten das Nachsehen. Entsprechend groß war der Ärger, wenn man nicht auf dem Zettel stand. Einzige Chance war nur noch das Nachrücken.

Besondere Spiele zum Karriereausklang

Nach dem Kracher mit Horst Eckel für 750 Spiele wurde Reiner auch beim Abschiedsspiel ein Erlebnis beschert. Erneut durch Beziehungen konnte der Zweitligist SC Freiburg nach Simonswald bewegt werden. Damals ganz neu auf der Trainerbank des SCF: Volker Finke, später der dienstälteste Trainer der Bundesliga. In den Reihen spätere Stars des SC wie die Zeyer-Zwillinge, Ralf Kohl, Jens Todt, Martin Braun und Uwe Spies. Zwar ging die Partie 1:9 verloren, das war jedoch zweitrangig. Erfreulich war die zahlreiche Prominenz unter den Zuschauern, unter anderem vom Südbadischen Fußball-Verband und auch der Gemeinde.

Kapitän Reiner (r.) beim Wimpeltausch mit Klaus Fischer von der Schalker Traditionself, 2013
Kapitän Reiner (r.) beim Wimpeltausch mit Klaus Fischer von der Schalker Traditionself, 2013

Auch 2013 betrat Reiner anlässlich der Einweihung des Kunstrasenplatzes als Spielführer den Platz. Er führte eine AH-Auswahlmannschaft des Elztals gegen eine AH-Traditionsmannschaft von Schalke 04. Auch diese Begegnung ging 3:6 verloren, was abermals zweitrangig war. Zwar konnte Reiner einen Elfmeter verwandeln (nachdem er einen weiteren verschuldete), aber in erster Linie stand man mit Größen des Fußballs auf dem Platz, unter anderen „Mister Fallrückzieher“ Klaus Fischer.

Die Brüder Schultis als Spielausschussvorsitzende

Eher unfreiwillig kam Hans-Peter 1984 neben seiner Tätigkeit als Jugendleiter zum Amt des Spielausschussvorsitzenden. Die Generalversammlung wurde mangels Kandidaten bei der Wahl unterbrochen, die Vorstandschaft zog sich zur hitzigen Diskussion ein Stockwerk höher zurück. Zugunsten eines weiteren friedlichen Verlaufs der Versammlung erklärte sich Hans-Peter bereit und übernahm das Amt für eine Spielzeit.

Auch Reiner übernahm das Amt des Spielausschussvorsitzenden. Nach seinem Ende bei den Aktiven hörten zugleich der erste Vorsitzender Willi Reich, sein Stellvertreter und auch der langjährige Spielausschussvorsitzende Willi Weis auf. Aufgrund seiner Erfahrung schien er der geeignete Kandidat und übte das Amt auch vier Jahre lang auf. In dieser Zeit allerdings lief es – gemessen an den Erfolgen zuvor – eher durchwachsen. Recht deutlich äußerte sich Reiner daher in der Generalversammlung 1995.

Verletzungen, das Aufhören von Spielern während der Saison, zu lasche Einstellung zum Mannschaftssport, schwacher Trainingsbesuch, zu kleiner Spielerkader, Querelen und Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft, die sich auch aufs Umfeld übertrugen.

Der FC Simonswald bekam die volle Härte des Fußballs zu spüren.  Der einst stolze Landesligist stieg zweimal in Folge bis in die Kreisliga A ab. In der Folge gab Reiner das Amt zur Saison 1995/96 auch wieder ab.

Zusammenschluss der Jugenden

JSG-Verantwortliche mit Hans-Peter (vordere Reihe, 3. v. l.) und Reiner (zweite Reihe von vorn, ganz links), 1998
JSG-Verantwortliche mit Hans-Peter (vordere Reihe, 3. v. l., neben Dieter Kienzle, 4.v.l.) und Reiner (zweite Reihe von vorn, ganz links), 1998

Hans-Peter war bereits ab 1972 aktiver Beisitzer und seit 1974 Jugendleiter. Dieses Amt bekleidete er 19 Jahre und stellte damit einen Vereinsrekord auf. In besondere Erscheinung trat er jedoch auch als Jugendtrainer, zunächst in Obersimonswald und ab 1986 auch gemeinsam mit den Untertäler Jugendlichen. Entsprechend war auch er zugleich als Jugendleiter auch im Gremium, welches sich für die Gründung einer Jugendspielgemeinschaft 1989 aussprach.

Es war schwer, immer alle Mannschaften zu besetzen. Ein Umstand, der früher nicht gegeben war und der sich nun aber abzeichnete. Entsprechend war die JSG eine vernünftige Lösung.

Maßgeblich war auch der inzwischen verstorbene Dieter Kienzle an der Gründung der JSG beteiligt. Etwaige Befürchtungen, dass es zu Reibereien kämen, bewahrheiteten sich nicht. Oft waren die nun zusammen kickenden Spieler ohnehin Schulkameraden.

Kleine Historie der Spielerunterkünfte

Mit 640 Stunden belegte Hans-Peter zudem Platz 2 (hinter dem langjährigen 1. Vorsitzenden Karl-Johann Weis mit fast doppelt so vielen Stunden) beim Sportheimbau.

Zunächst betonte er seine Einstellung zu dem Ganzen. Es gehört sich als Vereinsmitglied, dass man auch außerhalb des Platzes nach Möglichkeiten unterstützt. Ein Vorteil war, dass er „nur“ in einem Verein tätig war. Dadurch gestaltete es sich ein wenig einfacher als bei Kameraden, die in mehreren Vereinen Mitglied waren. Dennoch: als sich abzeichnete, dass ein Sportheim gebaut werden musste, war er entsprechend vorne mit dabei.

Zu Zeiten als das Wildsaustadion erste Spielstätte war, zog man sich noch im Gasthaus Erle um.

Eine Mannschaft zog sich auf der Theaterbühne um, die andere im Fernsehraum. Man musste durch die Garage ins Freie zum Duschraum. Das war schon originell, aber hat alles bestens funktioniert.

Als Unterkunft diente lange eine ehemalige Bundeswehr-Baracke. Diese wurde in Kirchzarten abgebaut, auf einem alten LKW nach Obersimonswald transportiert und dort wieder aufgebaut. Auch damit waren die Verhältnisse bescheiden, aber es hat funktioniert. Es gab zwei Umkleideräume. Die Auch die Schiedsrichter hatten einen allenfalls etwa zwei Quadratmetern „großen“ Raum und mussten mit den Einheimischen gemeinsam duschen.

Der Gastraum der Baracke hingegen sorgte für sehr gesellige Momente. Oft wurde dort stundenlang Karten gespielt bis zwei oder drei Uhr nachts. Trotzdem war der Bau des neuen Sportheims unumgänglich.

Fürs Untertal beschrieb Reiner in Etwa gleiche Verhältnisse.

Ausflüge, Unternehmungen und Sonstiges

Bei den Gedanken an die früheren Ausflüge begannen die Augen der Brüder wieder zu leuchten. Reiner erinnerte sich an das Trainingslager auf Gran Canaria, was mit einem Ausflug verknüpft wurde. Trainer Linsenmaier jagte seine Schützlinge die Dünen hoch und runter. Auch Menorca, Mallorca und Ibiza waren beliebte Ziele.

Zeltlager der Obertäler Fußballjugend auf der Katharinenhöhe in den 1970ern
Zeltlager der Obertäler Fußballjugend auf der Katharinenhöhe in den 1970ern

Hans-Peter betonte erneut, dass es sich im Obertal zunächst ausschließlich um Vereinsausflüge handelte. Diese fanden jedes Jahr statt. Neben den erwähnten Zielen Prag und Budapest war ihm zudem die Einweihung des Olympiastadions 1972 in München in Erinnerung. Mit einer großen Gruppe besuchte man drei Tage München und dabei auch das Eröffnungsspiel der BRD gegen die Sowjetunion.

In der damaligen Zeit war das völlig faszinierend: kaum hatten wir das Stadion verlassen, gab es schon eine gedruckte BILD-Zeitung mit Spielstand und -bericht zum eben besuchten Spiel zu kaufen.

Besondere Highlights für Hans-Peter waren zudem die Zeltlager der Fußballjugend. Hier war man etwa mehrfach in Öhningen, beim Bodensee und auch im Allgäu. Startschuss war auf der Katharinenhöhe mit noch selbstgenähten Zelten. Auch mit den Aktiven wurde später am Bodensee gezeltet. Nicht selten investierte man auch den ganzen Jahresurlaub für diese Unternehmungen.

Ende der 1970er ging es zudem auch für die Obertäler einmal nach Mallorca. Schmunzeln musste Hans-Peter beim Gedanken daran, dass einige der Teilnehmer zum ersten Mal in einem Flugzeug saßen und entsprechend nervös waren.

Pressebericht zum Festbankett anl. d. 50-jährigen Bestehens mit Verleihung der Landesehrennadel an Hans-Peter (rechtes Bild, 2. v. l. zwischen Vorstand Alfred Hug und Frau Brigitte, 1998
Pressebericht zum Festbankett anlässlich des 50-jährigen Bestehens mit Verleihung der Landesehrennadel an Hans-Peter (rechtes Bild, 2. v. l. zwischen Vorstand Alfred Hug und Frau Brigitte, 1998

Ehre, wem Ehre gebührt

Zwar erhielt Hans-Peter kein explizites Abschiedsspiel oder ähnliches, dennoch wurden seine Mühen angemessen entlohnt. Zum Festbankett des 50-jährigen Vereinsjubiläums 1998 wurde ihm die Landesehrennadel verliehen. Wie es sich gehört bei Auszeichnungen dieser Art hatte er im Vorfeld rein gar nichts davon gewusst.

Die Geselligkeit kam nicht zu kurz

Am Herzen lagen Hans-Peter von Anfang an die Fußballer-Fasnet und auch die Weihnachtsfeiern. Mit Sketchen und Aufführungen aller Art wurde so bereits zur Zeit der Baracke lustig gefeiert.

Zufriedener Rückblick

Zur Frage, ob sie in ihrer bisherigen Karriere rückblickend etwas anders machen würden, waren sich beide Brüder prinzipiell einig. Sowohl Hans-Peter als auch Reiner würden genau denselben Weg nochmals einschlagen. Man lebte den Fußball.

Natürlich hätte Reiner das ein oder Angebot vielleicht annehmen und den Verein wechseln können, aber dennoch verlief alles zu seiner Zufriedenheit.

 Die eine Erfahrung mit Furtwangen hat mir gereicht. Ich hatte so ein schönes Fußballerleben, ich würde nichts anders machen.

Hans-Peter zeigt sich zudem dankbar, dass er weitgehend von Verletzungen verschont blieb, weshalb es nichts am eingeschlagenen Weg zu ändern gäbe. Einen Seitenhieb gegen die gefühlt sensibleren Reaktionen heutiger Fußballer konnte er sich nicht verkneifen.

Früher gab’s halt mal einen Schnapsumschlag, dann war wieder gut. Die heute modernen Muskelfaserrisse und ähnliches kannten wir nicht.

Auch stellt Hans-Peter klar heraus, dass früher die Kameradschaft „bedingungsärmer“ war. Man stand gegenseitig für sich ein, war für sich da, unternahm wesentlich mehr gemeinsam als heute. Begründet liegt dies sicher auch darin, dass es damals wesentlich weniger Freizeitaktivitäten gab als heute.

Finale: Die Zusammenlegung der Mannschaften zur gemeinsamen SG

Zur Einstimmung erwähnte Stephan nochmals, dass es beide Vereine ja nach wie vor gibt, es handele sich also um keine Fusion. Dennoch erhitzte die Zusammenlegung der Mannschaften zur gemeinsamen SG in 2014 zunächst zahlreiche Gemüter.

Für Reiner war diese Entwicklung super und längst überfällig. Generell habe man aus Untertäler Sicht schon länger darauf gedrängt, wie er sich an so manche Vorstandssitzung zu diesem Thema erinnert.

Dieser Schritt war längst überfällig, man hätte ihn schon viel früher gehen müssen.

Hans-Peter bestätigte die Gesprächsgesuche des FC, hielt aber streng dagegen. Aus Obertäler Sicht wehrte man sich vehement dagegen, den eigenen Verein aufzugeben – denn so war die damalige Wahrnehmung des Ergebnisses. Auch wenn es sportlich tatsächlich nicht so lief, dürfe man nicht aufgeben, es kämen schließlich wieder bessere Zeiten.

Ich habe bei einem Ausflug mit der AH davon erfahren – und war schockiert. Wir dachten: jetzt ist es passiert, jetzt haben sie uns.

Reiner legte nach und schwärmte von dem Gefühl, höherklassiger zu spielen als es im Obertal der Fall war. Wäre dieses Gefühl bekannt gewesen, in der Amateurliga bzw. der Landesliga zu spielen, hätte man seitens der Sportfreunde den Gesprächen sicher zugestimmt.

Friedlicher Konsens und Schlussworte

Unbestritten sind sich beide Brüder einig, dass es aus heutiger Sicht die absolut richtige Entscheidung war. Aus Reiners Sicht könnte es sportlich ein wenig besser laufen, Hans-Peter hingegen ist erfreut, dass es die Vereinsstrukturen beider Vereine nach wie vor gibt.

Ganz wichtig war Hans-Peter, die Familie zu erwähnen. Ohne deren Unterstützung sei ein solches Engagement, eine solche Leidenschaft für den Fußball über Jahrzehnte hinweg nicht möglich gewesen. Während heute viele Fußballer allein zu den Spielen gehen, war es früher nahezu normal, dass die Partnerinnen mit dabei waren. Auch Reiner bekräftigte dies. Mit Blick in seine Notizen erklärte er die Erfolgsfaktoren seiner Karriere.

Für so eine Laufbahn braucht es eine gut funktionierende Vorstandschaft, sehr gute Trainer, sehr gute Mitspieler, Kameradschaft, Fleiß, Ehrgeiz und Willen, Bescheidenheit, Bodenständigkeit und etwas Talent.

Hans-Peter legte nach, dass die beiden Brüder früher sehr ehrgeizig waren – gelegentlich auch zu ehrgeizig. Aber nur so waren diese Karrieren möglich.

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