Einblicke in den Wisdishof – Von Warzen, Kunst und anderen Kuriositäten

Einblicke in den Wisdishof – Von Warzen, Kunst und anderen Kuriositäten
Thomas Kaltenbach in seinen diversen Rollen als Bauer des Wisdishof (Fotos: Tamara Burk / Christoph Körner)

Vermutlich ist man ihm selbst oder seinen Projekten in Simonswald schon einmal begegnet: Thomas Kaltenbach vom Wisdishof, am Fuße des Hornkopfs, steht in dieser Folge Rede und Antwort. Neben der über 300-jährigen Hofgeschichte, der Kapelle, Kunst- und Buchprojekten wird vor allem auch ein wahrhaft „sympathisches“ Hofgeheimnis beleuchtet.


Im Gespräch mit Stephan Wehrle erzählt Thomas, wie es innerhalb weniger Jahre geschafft hat, das urige und über 300 Jahre alte Simonswälder Hofgelände mit allem Drum und Dran für unterschiedlichste Projekte herzurichten zu inszenieren. Aber auch, was sich genau hinter besagtem Hofgeheimnis verbirgt, mit dem der Wisdishof überregional bekannt wurde.

Sprecher in dieser Folge: Stephan Wehrle und Thomas Kaltenbach (v. l.)
Sprecher in dieser Folge: Stephan Wehrle und Thomas Kaltenbach (v. l.)

Unerwartete Themenvielfalt

Thomas war einer der ersten Kandidaten, die mir, Stephan, als potentielle Gesprächskandidaten im Rahmen dieses Podcasts in den Sinn kamen. Der Kontakt selbst fand nach Veröffentlichung der ersten Folge „Erlebte Kindheit – Vom Schweinehirt zum Heimatforscher“ statt. Während in einem Telefonat dann eine grobe Richtung besprochen wurde, stand noch nicht fest, um welches Thema es geht.

Inzwischen ist mir klar, was Du mit Deiner Ursprungsfrage „Worüber genau sollen wir denn sprechen?“ genau gemeint hast… da ist sehr viel Interessantes dabei.

Jedoch sind ohnehin nicht alle Projekte für einen Podcast geeignet. Das ambitionierte Ziel, alle zumindest anzusprechen, kann also weiter angepeilt werden.

Auch derzeit keine größeren Veränderungen im Alltag

Thomas freut sich, dass seine Projekte wahrgenommen werden und nun auch Einzug in diesen Podcast finden. In seinem Alltag hat sich durch die Corona-Krise nicht allzu viel geändert. Während er normalerweise viel Essen geht, wird nun eben selbst für geladene Freunde gekocht.

Wenn man Haus und Hof hat und auf dem Land lebt, ist die Pandemie kein allzu großes Thema.

Einzig die Ausgangssperre hat ein wenig Ruhe erzwungen, die es sonst wohl nicht gäbe. Thomas kann normal seiner Arbeit in Emmendingen nachgehen und entsprechend alles für den Alltag besorgen. Auch trifft er – wenn auch bedeutend eingeschränkter – viele seiner Arbeitskolleg:innen.

Am Wochenende ersetzt er das Kino durchs Wandern und nimmt sich zudem mehr Zeit für seinen Hund.

Mit einem Freund habe ich mal vereinbart, dass wir jeden Freitag in einem anderen Restaurant essen. Nach etwa einem Jahr waren wir mit allen Gaststätten in Simonswald durch.

Im Anschluss wurde das Vorhaben aufs Elztal, Freiburg und weitere Regionen ausgeweitet. Man weiß nie so wirklich, was einen erwartet – von weniger gut bis sehr gut sei alles dabei gewesen. Diese Aktion spiegelt auch Thomas Offenheit für Neues wider.

In Erinnerung an den Ururgroßvater

Rufname ist zwar nach wie vor Thomas, auf Fidel hört er jedoch trotzdem. Hintergrund ist, dass Thomas’ Opa sehr viel von seinem eigenen Opa Fidel wusste und erzählte. Entsprechend legte er fest, dass jener seiner Enkel, der den Hof erhalten wird, den Namen Fidel bekommen soll.

Meine Mutter war wenig begeistert davon, dass man 1981 ein Kind auf Wunsch des Opas noch Fidel nennen soll. Allerdings bot dieser an, die Taufe zu bezahlen. Man einigte sich auf den Zweitnamen nach Thomas.

Gelegentlich wird Thomas auch im Freundeskreis so genannt. Steht Fidel doch für jemand, der ideenreich ist, weswegen man ihn auch in der Familie oft Fidel nannte. Für Außenstehende sei natürlich Thomas normal.

Typische Landkindheit der 1980er

Der Wisdishof mit der Kapelle St. Andreas im Vordergrund und dem Speicher links (Foto: Hans Simonyi)
Der Wisdishof mit der Kapelle St. Andreas im Vordergrund und dem Speicher links (Foto: Hans Simonyi)

In Zeiten Thomas’ früher Kindheit hatte der Wisdishof noch Vieh und bot Ferienwohnungen für Kurgäste an. Seine Mutter versorgte morgens die Gäste, Thomas war viel bei der Großmutter im Speicher, dem Leibgedinghaus (üblicherweise das Wohnhaus des Altbauern) neben dem Hof. Seine Urgroßeltern kannte er nicht mehr.

Als kleiner Junge hatte er seine eigenen Geißen, half ein wenig im Stall mit und erlebte eine typische Landkindheit auf einem Bauernhof. Insbesondere die frühen Erlebnisse mit den Tieren des Hofs sind ihm in guter Erinnerung. Von Anfang an war er so mit dem Grundstück und dem Hofareal verbunden.

Meine Schwester hätte den Hof womöglich auch übernommen, wenn das Rollenverhältnis damals anders gewesen wäre. So war ich als Hoferbe gesetzt und wurde darauf vorbereitet.

Entsprechend war auch die Erziehung der Kinder ausgerichtet. Seither hat sich das ungeschriebene Gesetz landläufig dem Zeitgeist angepasst. Inzwischen ist es gelebte Praxis, dass auch eine Tochter den Hof erben kann.

Gern hätte man es auf dem Hof gesehen, wenn Thomas einen Handwerksberuf erlernt. Er entschied sich allerdings für eine kaufmännische Ausrichtung und wurde Bankkaufmann.

Es zeichnete sich ab, dass die Landwirtschaft immer weniger ertragreich wurde. Sein Vater hatte das die Arbeit mit dem Vieh bereits beendet, als sich abzeichnete, dass Thomas diese aus Kostengründen nicht weiter betreiben würde. Übrig blieben auf dem Wisdishof zwei Hühner, der Hofhund und eine Katze.

Vieh haben wir schon lange nicht mehr. Auch die Geißen hatten wir nur unserer Oma zuliebe. Sie hing an ihnen und hatte so ihre Beschäftigung – immerhin wurde sie über 90 Jahre alt.

Thomas war 29 Jahre alt, als er den Hof erhielt. Dies sei sehr jung, manche bekämen ihn erst mit 50 oder gar 60 Jahren. Dennoch wurde dies nicht als etwas Besonderes empfunden, schließlich war ihm diese Rolle von Anfang an vertraut.

Hofübergabe – und jetzt?

Konkrete Gedanken, was er mit dem Hof machen würde, kamen erst, als er ihn bereits überschrieben bekam. Von Anfang an genoss er viele Freiheiten und konnte ausprobieren und sich verwirklichen. Das sei laut Thomas nicht immer so. Bei manchen Verträgen von Hofübergaben müsse etwa der Altbauer bei größeren Geschäften und Investitionen erst zustimmen.

So ein Hof ist eine Firma mit hoher Verantwortung. Man muss Einnahmen generieren, mit der Zeit gehen, Behördengänge absolvieren, immer mehr Vorschriften einhalten. Entsprechend froh war auch mein Vater, als ich das mehr und mehr übernahm.

Thomas’ Vater hatte den Hof bereits früh erhalten und ihn über 30 Jahre lang bewirtschaftet. Gegen Ende hat ihn Thomas quasi zur Überleitung bei immer mehr Behördengängen begleitet. Als sich die Änderung der Erbschaftssteuer abzeichnete, wurde die Hofübergabe entsprechend eingeleitet.

Sein Vater wisse zwar, was er wolle, gesteht Thomas aber dessen berechtigten Freiheiten zu. Das wurde auf die Probe gestellt, als er in seinem alljährlichen Mallorca-Urlaub war und sein Sohn parallel erste weitreichende Entscheidungen traf.

Mit der Hofkapelle ging’s los

Thomas entschied sich kurzerhand, das alte, baufällige Backhaus, den „Bachhof“, abzureißen und auf dessen Grundmauern eine Kapelle zu errichten.

Der Entschluss stand fest, der Bauantrag wurde gestellt. Auf Rat seiner Mutter informierte er seinen Vater in dessen Urlaub, bevor er nach seiner Rückkehr womöglich vom Gemeinderat davon erfahren muss. Zur Freude Thomas reagierte der Vater aber wie erwartet. Er betonte, dass er – übrigens wie schon sein eigener Vater – damals ebenfalls Entscheidungen nach seinem Kopf traf und dies daher in Ordnung sei.

Mein Vater und ich sind uns beide sehr ähnlich. Er macht den Wald, ich das Feld – es läuft super.

Zwar höre Thomas sich Empfehlungen seines Vaters durchaus an, betont aber mit einem Schmunzeln, dass beide etwas beratungsresistent seien.

Die Hofgeschichte in einer aufwändigen Chronik zusammengefasst

Wie schon Hans-Jürgen Wehrle aus der ersten Folge dieses Podcasts ist auch Thomas leidenschaftlicher Heimatforscher. So entschloss er sich, die Geschichte des Wisdishof gründlich aufzubereiten.

Zentrale Figur war besagter Fidel Kaltenbach (1851-1928), der sich insbesondere durch einen Totschlag seinerzeit einen teilweise unrühmlichen Namen im Tal machte. Schmunzelnd erzählt Thomas, dass diese zweifellos sehr alte Geschichte noch während seiner Jugend gelegentlich ans Tageslicht kam, als er mit Mädels anbändelte.

Alte Aufnahme der Vorfahren des Wisdishof bei Mäharbeiten
Alte Aufnahme der Vorfahren des Wisdishof bei Mäharbeiten

Die Erzählungen und Gerüchte rund um diesen Fidel waren spannend, aber auch widersprüchlich. Thomas’ Opa etwa hielt ihn für einen ganz tollen Menschen, andere wiederum sahen in ihm den Teufel in Person.

Die Sagenbildung um diesen Fidel war treibende Kraft, das einmal ganz genau zu beleuchten. Erste Anlaufstelle für sowas ist natürlich Hans-Jürgen Wehrle.

Der „Mond“, so Hans-Jürgens Spitzname, übersetzte die alten Verträge früherer Hofübergaben des Wisdishof. Dadurch ergab sich ein klareres Bild, wie etwa der Totschlag und der Gefängnisaufenthalt sich auf die finanziellen Situationen auswirkten.

Nach näherer Sichtung dieser Unterlagen stellte Thomas aber fest, dass dabei irgendetwas nicht stimmen könne. Zwar wusste er, dass bestimmte Teile nicht übersetzt wurden oder fehlten, allerdings konnte er es nicht zuordnen. Es handelte sich dabei um entscheidende Beglaubigungen, die Licht ins Dunkel brachten. Um dies künftig selbst beurteilen zu können, lernte auch Thomas die alte Schrift zu lesen.

Als weitere Quellen wurden neben Hans-Jürgen auch ältere Leute befragt, alte Zeitungen studiert und etwa das Generallandesarchiv konsultiert, was sich als unverhofft gute Quelle herausstellte.

Das Interesse an der Heimatforschung wuchs

Nicht nur, dass sich herausstellte, dass sich der Wisdishof etwa bis Anfang des 18. Jahrhunderts noch unten an der Hauptstraße befand, auch die Namensherkunft wurde geklärt. Es handelte sich um den Hof von Mathias Weis, eben „dem Wis Madis si Hof“.

Leider gab es seinerzeit aber gleich sechs Mathias Weis in Simonswald gab, wodurch auch andere Höfe ins Spiel kamen, um den „richtigen Wisdis“ zu finden.

Zwangsläufig beschäftigte sich Thomas dann auch mit den Namensvettern des originären Wisdis und deren Höfen, so dass sein Interesse daran stetig wuchs. Dabei wurde bestätigt, dass es früher, wie erwähnt, ungeschriebenes Gesetz war, dass der älteste Sohn den Hof später erhält. Anders aber beim Wisdishof, denn dort bekam immer der jüngste Sohn den Hof. Warum dies so war, wollte Thomas näher untersuchen.

Bei einer Gesetzesänderung um 1790 legte der Staat fest, dass der älteste Sohn den Hof erhält.

Somit war auch dieses Thema geklärt. Weiterer Höhepunkt war, dass um 1713 die Franzosen in Simonswald wüteten. Neben vielen weiteren Höfen und Häusern steckten sie seinerzeit auch den Wisdishof in Brand. Statt den Hof an Ort und Stelle wieder aufzubauen, zog Mathias Weis in sein Berghäuschen auf dem Gelände des heutigen Hofareals – ein erster Hinweis auf den Umzug des ganzen Hofs.

Stück für Stück zur Wahrheit

Zwar sei hier laut Thomas auch viel Spekulation dabei, wie die damaligen Gedankengänge der geschädigten Hofeigentümer genau aussahen – wie Mathias Weis erging es schließlich vielen. Unbestritten ist aber, dass sein Hof früher „Am Felsen“ hieß. Am Oberen Felsen wurden 1722 die letzten Grundstücke verkauft. Unter anderem stieß dort auch Mathias Weis einige seiner dortigen Grundstücke ab – der zweite Hinweis auf den Umzug.

Noch etwas mehr Klarheit brachte eine von Thomas angestrebte dentrochronologische Untersuchung alter Dachbalken des Wisdishof. Diese ergaben, dass ein Fälldatum der Bäume im Jahr 1714. Dieser dritte Hinweis war der bislang stichhaltigste, dass der Hof voraussichtlich um diese Zeit dort aufgebaut sein worden muss, wo er heute steht.

Der heutige Hof liegt auf der Gemarkung Untersimonswald, meine Vorfahren waren jedoch seit jeher Bürger von Altsimonswald. Einer von vielen Hinweisen, die für einen Umzug des Hofs sprechen.

Die Gemeindezugehörigkeit nahm man bei damals üblichen Umzügen mit. Somit blieben die Bewohner des Wisdishof Altsimonswälder.

Früher suchte man den Schutz in der Gemeinschaft

Wie viele Untersuchungen war auch dies eine Sache, die sich aus zahlreichen kleineren Informationen zusammensetzte. So standen etwa viele kleinere Höfe an anderen Stellen. Thomas nannte den Neuenberg oder auch besagten Oberen Felsen als Beispiele.

Die früheren Holzhäuser und –höfe waren sehr anfällig für Brände. Deswegen steht der Speicher oft auch separat, um wenigstens die Ernten und den Wohnraum zu sichern.

Viele waren direkt an der Straße angesiedelt, man suchte früher noch die nähere Nachbarschaft. Immerhin gab es bis 1790 noch Wölfe im Tal, wiederum 200 Jahre zuvor sogar noch Bären. Als diese Gefahren abnahmen und der Freiheitsdrang größer wurde, nahm man unter anderem besagte Brände zum Anlass, umzuziehen.

Vermutlich entstanden die meisten Höfe Simonswalds vor 1600

Sehr alte Aufnahme des Wisdishof
Sehr alte Aufnahme des Wisdishof

In der Dorfchronik wird der Wisdishof neben weiteren 120 Höfen des Tals mit der Jahreszahl 1820 verbunden. Thomas deutet darin die Ersterwähnung des Hofs. Darüber hinaus halte sich das hartnäckige Gerücht, früher habe es viel weniger Höfe in Simonswald gegeben.

Es gab früher schon sehr viel Höfe, weit mehr als angenommen, zum Beispiel auch so genannte Halbhöfe. Irrtümer entstanden häufig durch Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Vogteien.

So gab es mit Haslachsimonswald, Obersimonswald und Altsimonswald drei zentrale Gemeinden mit unterschiedlichen Vogteien. Entsprechend wurde häufig nur ein Herr genannt, obwohl dahinter mehr Höfe steckten.

Der Totschlag ist schon etwas Besonderes

Auf die Highlights der Chronik angesprochen, nannte Thomas den verübten Totschlag seines Vorfahren Fidel. Dieser sei im Affekt entstanden, nachdem ihn sein Gegenüber sehr stark gereizt und beleidigt habe. Mit einem Schmunzeln bestätigt Thomas, dass eine gewisse Wut bei den männlichen Nachfahren bis heute beobachten lässt.

Den Jähzorn hatte schon mein Großvater, mein Vater und auch ich. Es heißt dann immer „Der Fidele kommt raus.“.

Thomas zeigt sich sichtlich erstaunt, dass die direkten Nachfahren von Fidel Kaltenbach diesen trotz des Totschlags wahrhaftig verehrten. Es durfte kein böses Wort über ihn fallen. Dadurch hat auch Thomas gelernt, dass es stets zwei Sichten auf einen Menschen gibt.

Von der Hofchronik hat Thomas schon über hundert Exemplare verkaufen können. Darin sind auch allgemeine Fakten enthalten, oft auch beispielsweise in alten Maßeinheiten. Durch die Zusammenhänge mit Kriegen und weiteren Ereignissen in Simonswald ist dies auch eine interessante Lektüre etwa für andere Bauernhöfe.

Einen Ausschnitt der Geschichte des Wisdishof findet sich auch in der Ausgabe 27/2013 des Kreisjahrbuchs „S’Eige zeige“ vom Landkreis Emmendingen. Thomas verbucht dies als interessante Erfahrung für das Verfassen solcher Texte. Er hatte den Inhalt geliefert und verfasst, Landrat Hanno Hurth und Kreisarchivar Gerhard A. Auer haben diese entsprechend um wichtige Hintergrundinfos ergänzt, etwa zu den Simonswälder Einzelgemeinden. Basis war die Biographie von Fidel Kaltenbach, die Thomas zuvor bereits verfasste.

Der Hof ist eine Firma – und war es schon immer

Für Thomas ist der Hof eindeutig eine Firma. Zwar träfe er immer wieder einmal Menschen, die etwa „forderten“, ein Hof müsse Vieh und weitere typischen Dinge haben. Allerdings sei es auch wichtig, dass man früh genug die Rentabilität dieser Faktoren erkennt und hinterfragt.

Um 1720 kam die Kartoffel in unsere Gegend. Damals hatte auch niemand die neue Frucht in Frage gestellt, sondern sich dieser Entwicklung hingegeben.

Thomas mag zudem keine Maschinen. Er besteht darauf, Mäharbeiten und Vergleichbares von Hand zu erledigen. Meist mit Sense und Rechen. Jedoch betont er, dass er auch nicht mehr alles von der Fläche selbst bewirtschaften müsse.

Von den insgesamt acht Hektar Grünfläche sei das Meiste verpachtet. Die schwierigen Lagen übernehme er von Hand, oft pflanzt er dort auch Apfelbäume. Einerseits, um die Kulturlandschaft zu erhalten, andererseits auch, weil er es selbst schön findet.

Den Wald übernimmt Thomas’ Vater. Nicht nur habe er dies seit jeher getan, sondern habe er schlichtweg auch mehr Ahnung davon als Thomas. Zu guter Letzt halte ihn die Waldarbeit auch fit.

Bienenhaus oder Kapelle

Die Hofkapelle St. Andreas bei der Einweihung 2010 (Foto: Hans-Jürgen Wehrle / Badische Zeitung)
Die Hofkapelle St. Andreas bei der Einweihung 2010 (Foto: Hans-Jürgen Wehrle / Badische Zeitung)

2010 entstand die Hofkapelle St. Andreas. Diese wurde durch Thomas Initiative auf den Grundmauern des damals baufälligen Backhauses entstanden.

Erste Überlegungen waren auch, statt der Kapelle ein Bienenhaus zu errichten. Das Thema reize Thomas sehr, allerdings habe er keine Zeit dafür. Früher bewirtschaftete sein Urgroßvater auf dem Wisdishof sehr viele Bienen. Auch verkaufte er entsprechend viel Honig und war auch dafür bekannt. Sein Großvater wiederum übernahm diese nicht, so dass die Imkerei nicht länger Thema war.

Schlussendlich stand die Nutzenfrage im Raum, so dass sich Thomas für die Kapelle entschied. Nicht zuletzt sähe diese auch schöner aus.

Im Rahmen der Planung besichtigte Thomas sehr viele Kapellen. Der Grundriss beispielsweise entnahm er der Ibendörflekapelle, die Ausstattung entspreche im Großen und Ganzen der Martinskapelle und so weiter.

Es wurden weitgehend heimische Materialien verwendet, so dass sich der Schwarzwälder Baustil ergab. So erhielt er die Tür aus dem Glottertal, andere Dinge aus eigenem Bestand. Er geht davon aus, dass um 1900 die Kapelle in Etwa in gleichem Stil gebaut worden wäre.

Dem Urgroßvater gewidmet

Die Namensfindung verlief relativ modern: zunächst sollte der Name einem der Vorfahren des Wisdishof entsprechen. Hier standen Thomas rund 20 Namen zur Verfügung. Dann suchte er auf eBay nach einer möglichst großen Kirchenfigur und stieß auf die barocke Figur des St. Andreas in Niederbayern. Diese rund 1,40 Meter große Figur war für einen Spottpreis zu erwerben.

Es war eigentlich umgekehrt: meinem Urgroßvater wurde die Kapelle letztlich nur gewidmet, weil ich eine gleichnamige Kirchenfigur dieses Namens im Internet fand.

Die Kapelle könne prinzipiell jederzeit besichtigt werden. Durch die Kunstausstellungen sei ohnehin stets Betrieb um den Hof herum. Der Eingang der Kapelle ist deshalb auch nach unten ausgerichtet, die Terrasse bietet daher der Familie Kaltenbach noch entsprechende Privatsphäre.

Der Buchsbaumzünsler wütete

Der neu angelegte Hofgarten des Wisdishof, im Hintergrund die Hofkapelle St. Andreas (Foto: Wisdishof / Badische Zeitung)
Der neu angelegte Hofgarten des Wisdishof, im Hintergrund die Hofkapelle St. Andreas (Foto: Wisdishof / Badische Zeitung)
Die Raupe des Buchsbaumzünslers, der den Hofgarten zerstörte
Die Raupe des Buchsbaumzünslers, der den Hofgarten zerstörte

Bereits vor längerem wurde der Garten des Wisdishof durch den Buchsbaumzünsler zerstört. Durch Zufall stieß Thomas auf einer seiner Kunstausstellungen ART WISDIS auf einen Experten. Im Gespräch mit einem Arbeitskollegen stellte sich heraus, dass das Hobby dessen Partners sei, Gärten anzulegen. Als der Garten zudem als gefühlter Schandfleck an jenem Kunstausstellungstag ins Auge stach, war das Projekt Gartenneubau beschlossene Sache.

Zwar begleiteten Thomas viele Zweifel, dass sein Arbeitskollege und dessen Partner sich wirklich um den Garten kümmerten. Aber aus dem beiläufigen Smalltalk darüber wurde kurz darauf ernst.

Thomas bot den beiden an, eine Woche oder zwei in der Ferienwohnung zu übernachten, um sich des Gartens anzunehmen. Während er arbeiten ging, hatten die beiden freie Hand.

Die ersten Tage dachte ich: um Himmels Willen, bis ich das alles wieder aufgeräumt habe. Das wurde in kürzester Zeit zu einer riesigen Baustelle.

Vom ursprünglichen Garten war nicht mehr viel zu erkennen. Die Ankündigung, sie würden pflastern, wurde von Thomas ein wenig belächelt, schließlich habe keiner der beiden eine Ausbildung darin.

In Erinnerung an seine eigenen Projekte ließ Thomas die beiden allerdings uneingeschränkt gewähren. Im Nachhinein die richtige Entscheidung: das Ergebnis sei richtig cool geworden, unter anderem sogar mit einem Teich.

Andreas, der Sympathiedoktor

Thomas spielt einen Sympathiedoktor um 1850 im gleichnamigen Kurzfilm (Quelle: YouTube)
Thomas spielt einen Sympathiedoktor um 1850 im gleichnamigen Kurzfilm (Quelle: YouTube)

Besagter Andreas Kaltenbach war der erste Sympathiedoktor des Wisdishof. Auf der Homepage des Wisdishof ist nachzulesen, was genau die so genannte Sympathie in diesem Zusammenhang bedeutet. Wörtlich steht Sympathie für „mitfühlen“, „mitleiden“. In aller Kürze beschreibt es die Wiederherstellung des Gleichgewichts von Organen oder der Psyche – sowohl bei Menschen, als auch bei Tieren. Geraten diese in ein Ungleichgewicht, zeigt sich dies in Form von Symptomen an den betroffenen Organen ab. Meist sind es Hautveränderungen wie Warzen, Hautflechten oder auch Entzündungen.

Man munkelt, dass bereits vor Andreas († 1962) die Sympathie beim Wisdishof vorhanden war. Etwa sein Vater Fidel, der auch als Metzger tätig war. Ob Metzger oder Schäfer, auch diese Berufsstände seien häufig als Sympathiedoktoren unterwegs gewesen. Sie hätten bei ihren Besuchen auf Höfen oft bemerkt, was bei den Tieren nicht stimmt. Dies war meist die letzte Entscheidung, ob die Tiere geschlachtet oder doch gerettet werden.

Mein Urgroßvater Andreas hatte etwa 150 Nachkommen. Natürlich kann ich nur für unseren Familienzweig sprechen. Aber mindestens 70-80 davon wissen, wie die Sympathie funktioniert. Es ist also kein Hofgeheimnis, auch, wenn es nur auf dem Hof erhalten blieb.

Woher genau Andreas dieses Wissen bezog ist unbekannt. Er sei jedenfalls im ganzen Elztal dafür bekannt gewesen. Um eine Gabe handele es sich laut Thomas jedenfalls nicht, schließlich beherrsche er es auch selbst. Möglich sei, dass Andreas es während seiner Zeit als Knecht erwarb.

Der Ablauf der Sympathie bei Tieren

Der gute Draht zum Tier ist wichtig bei der Sympathiebehandlung (Foto: Tamara Burk)
Der gute Draht zum Tier ist wichtig bei der Sympathiebehandlung (Foto: Tamara Burk)

Der Begriff wurde auch durch den Schwarzwälder Schriftsteller Heinrich Hansjakob geprägt, der von 1837 bis 1916 in Haslach im Kinzigtal lebte.

Das Prozedere selbst lasse sich nicht vollständig verallgemeinern, laufe aber meist ähnlich ab. Sofern es sich um Warzen, Schuppenflechten oder Gürtelrose handele, werden Haare des betroffenen Viehs benötigt. Ein Besuch ist also unabdingbar. Entzündungen wie Rotlauf bei Schweinen ließen sich auch aus der Ferne behandeln.

Bei betroffenem Vieh gehe ich hin, entnehme ein paar Haare oder lasse mir den Namen des Tiers geben und gehe wieder. Den Rest mache ich dann allein.

Thomas gesteht, das alles selbst seltsam und unerklärbar zu finden. In früheren Generationen spielte oft der christliche Glaube eine Rolle, damit ließ es sich irgendwie erklären. Heute, wo man verstärkt nach wissenschaftlichen Erklärungen strebt, bleibt es ein Phänomen.

Früher wurden auch Menschen behandelt

Verstärkt durch einen Pressebericht behandelt Thomas inzwischen verstärkt Hunde. Das Großvieh habe sich erheblich reduziert. Zum einen gäbe es immer weniger Höfe. Zum anderen werden Krankheiten dieser Größenordnung gerade bei Kühen oder Rindern oft zum Anlass genommen, das Tier zu schlachten. Aktuell seien es zwei bis drei Höfe, die Thomas im Monat besuche.

Wenn Kühe derart erkranken, sind sie heute wirtschaftlich betrachtet auch einfach nicht mehr viel wert. Bei Pferden sieht dies schon ganz anders aus, diese werden meist versucht zu retten.

Lange Zeit wurde auf dem Wisdishof die Sympathie auch für Menschen betrieben. In vielen Fällen geriet die Sympathie zwar in Verruf. Den Menschen war es unangenehm oder gar peinlich, auf diese Behandlungsmethoden zurückzugreifen.

Während Thomas‘ Kindheit kamen aber dennoch monatlich etwa 2-3 Leute. Man saß in der Küche, es wurde ihnen einige Haare gerupft und sie gingen wieder. Das war’s. Die Haare seien nicht beliebig, sondern würden einigen Regeln entsprechen. Unter anderem seien diese von einer bestimmten Stelle und enthalten Wurzeln.

Es ist und bleibt ein schwer erklärbares Phänomen

Utensilien bei der Sympathiebehandlung: Glasschale mit Zetteln, blaue Dose mit Deckel zur Aufbewahrung (Foto: Tamara Burk)
Utensilien bei der Sympathiebehandlung: Glasschale mit Zetteln, blaue Dose mit Deckel zur Aufbewahrung (Foto: Tamara Burk)

Die Sympathie ist prinzipiell anerkannt. Der Schulmediziner würde hier voraussichtlich von Placebo sprechen. Thomas stellt dies jedoch vorbehaltlich in Frage, schließlich funktioniere es bei Tieren auch.

Nach wie vor erscheint es seltsam. Thomas vermutet, dass durch das Tun oder durch die Sympathie-Behandlung die Abwehrkräfte der betroffenen Lebewesen – ob Mensch oder Tier – gestärkt werden.

Unterstrichen wird diese Vermutung auch durch die Wissenschaft. Schuppenflechte oder Neurodermitis zum Beispiel seien Leiden, bei denen die Abwehrkräfte überreagieren. Thomas betont, dass das Thema sehr schwierig sei und es sich hier ausschließlich um Erklärungsversuche handele.

Für mich ist das völlig normal. Wenn Außenstehende mich darauf ansprechen, dass ich hier etwas besondere könne, wirkt das auf mich sehr fremd.

Kürzlich bekam Thomas Besuch vom parapsychologischen Institut und wurde von den Herrschaften auf die Sympathie angesprochen. Solche Szenen erlebe er als skurril, da er schließlich auch nicht begründen könne, warum es funktioniert.

Thomas zieht das Fazit, dass früher sehr viele hoffnungsvolle Menschen kamen, die anschließend zufrieden waren. Also müsse es wohl geklappt haben.

Erklärungsversuche nach Interviews mit Patienten

Thomas war sehr interessiert daran, herauszufinden, warum die Sympathie beim Menschen so gut funktioniert. Um der Sache auf den Grund zu gehen, befragte er die Patienten, warum ihre Abwehrkräfte so schwach seien. Gelegentlich litten diese an gewöhnlichem Stress oder waren auch mal größerem Druck ausgesetzt.

Häufig traten die Erkrankungen aber beispielsweise auch auf, nachdem Menschen ein neues Organ erhielten. Damit der Körper dieses nicht abstößt, werden die Abwehrkräfte medikamentös heruntergefahren. In der Folge entstanden oft jede Menge Warzen.

Während diese Fälle medizinisch erklärbar seien, hätten andere seiner Patienten Schuppenflechte oder Gürtelrose, können sich aber nicht erklären, warum. Thomas Vermutung ist hier, dass diese Menschen oft unbewusst unter Druck standen.

Eigentlich habe ich die Behandlungen auch zum großen Teil aus eigenem Interesse durchgeführt. Ich wollte mehr über die Schicksale der Menschen erfahren.

Auch sei für Thomas immer wieder spannend zu sehen, wie sehr manche Menschen nach psychischen Schicksalsschlägen oder Stresssituationen die genannten Krankheiten bekamen. Etwa nach Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch, nicht verarbeiteten Kriegserlebnissen oder dem Selbstmord des Kindes. Auch habe er schon ältere Erwachsene erlebt, die schwer an Gürtelrose erkrankten, nachdem sich ihr Kind scheiden ließ.

Die weit entferntesten Patienten kamen übrigens aus Südafrika. Diese besuchten jedoch in erster Linie Verwandte in der Nähe. Die weiteste gezielte Reise zum Wisdishof nahmen Patienten aus Wien auf sich.

Wir haben nie eine Diagnose gestellt. Die Menschen haben von sich aus nach einem Arztbesuch berichtet, woran genau sie erkrankt sind. Dadurch konnten wir auch abschätzen, ob wir in den Fällen schon Erfolge vorweisen konnten oder nicht.

Thomas erwähnt medizinische Untersuchungen, nach denen die Sympathie auf Placebo zurückzuführen ist, die aber auch bestätigten, dass die Leiden nach der Behandlung verschwunden seien.

Aus und Vorbei – Menschen dürfen nicht mehr behandelt werden

Pressebericht in der Zeitung "Der Sonntag", der den Stein ins Rollen brachte (Quelle: Katja Rußhardt, Der Sonntag)
Pressebericht in der Zeitung „Der Sonntag“, der den Stein ins Rollen brachte (Quelle: Katja Rußhardt, Der Sonntag)

Im Januar 2020 veröffentlichte Katja Rußhardt in der „Badischen Zeitung“ einen gelungenen, sehr lesenswerten Bericht über den „Simonswälder Sympathiedoktor“ vom Wisdishof.

Dieser erschien zugleich in der südbadischen Wochenzeitung „Der Sonntag“.

Mit Verweis auf letzteren Bericht erhielt Thomas einige Zeit später einen Brief vom Gesundheitsamt. Diese seien verantwortlich für das regionale Gesundheitswesen und haben sich auf die Erzählungen hin eingeschaltet.

Mein erster Gedanke war: habe ich etwas Strafbares getan? Klar, es ist ein Grenzfall, aber wir hatten weder eine Diagnose gestellt, noch ein Heilversprechen gegeben. Die Menschen waren ja zuvor bereits austherapiert. Entweder es klappte oder nicht, das war die Ansage.

Letztlich war dies auch kein Problem, es gab keine Strafe oder ähnliches. Dem Wortlaut des Gesetzes nach war Thomas für die Behandlung bestimmter Leiden schlichtweg nicht berechtigt.

Wie gerade in der Corona-Pandemie zu sehen ist, ist das Gesundheitswesen allerdings Ländersache. So weiß Thomas zum Beispiel von einer 80-jährigen Sympathiedoktorin aus Bayern, die nach wie vor Menschen behandeln darf.

Andere (Bundes)länder, andere Sitten

Das Gesetz sei überall gleich, allerdings unterscheiden sich Auslegung und Verfolgung von Land zu Land. Im Falle des Wisdishof vermutet Thomas, dass die Sache mittlerweile einfach zu groß wurde und daher für das Gesundheitsamt nicht mehr vertretbar. Darüber hinaus sei es lediglich ein „Hobby“ gewesen. Größere Anstrengungen, weiter behandeln zu dürfen, verwarf er mit Hinweis auf die viele Zeit und Energie die dafür notwendig wäre.

Es wären jede Menge Stempel, Bescheinigungen und Nachweise erforderlich gewesen. Auch eine Heilpraktikerausbildung interessierte mich letztlich zu wenig.

Thomas‘ Eltern waren ernüchtert nach dieser Entscheidung, aber auch ihnen waren die Hände gebunden. Dennoch betonte er, dass der zuständige Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes letztlich nur seinen Job machte. Dann behandele der Wisdishof eben fortan nur noch Tiere.

Um auf Nummer sicher zu gehen, informierte sich Thomas dennoch beim Veterinäramt. Dort erhielt er die Bestätigung, dass es sich bei Tieren um eine „Sache“ handele, eine Behandlung sei nach wie vor möglich. Die Gesetzeslage unterscheide sich hier grundlegend von der zu Menschen.

Der Sympathiedoktor in der Kunst

Den Begriff Sympathiedoktor griff Thomas mit seinem Arbeitskollegen und Freund Axel Fischer sowie der Musikerin Sann Liedtke im Rahmen eines Filmprojekts auf. Fischer hatte eine hochwertige Kamera gekauft und Thomas auf ein mögliches Projekt angesprochen.

Prinzipiell wollte er nur etwas filmen. Allerdings drehten wir dann einen Kurzfilm mit einer sinnvollen Handlung, der später auch von Publikum gewürdigt wird.

Es entstand ein Imagefilm für den Wisdishof. Thomas spielt darin – in Tracht verkleidet – einen Sympathiedoktor und Bauern aus dem 19. Jahrhundert. Parallel liest er einen Auszug aus Heinrich Hansjakobs Buch „Wilde Kirschen“ von 1888.

Eines Sonntags drehten sie den Film ab und entschieden sich dann, von Sann Liedtke die Musik beisteuern zu lassen. Liedtke spielte bereits diverse Male auf dem Wisdishof, etwa beim Tag der offenen Gartentür. Heraus kam ein gelungener Kurzfilm, der auch das frühere Leben auf dem Wisdishof vermittelt.

Mit Projekten ausgelastet

Werbegrafik zum "Tag der offenen Gartentür" auf dem Wisdishof
Werbegrafik zum „Tag der offenen Gartentür“ auf dem Wisdishof

Durch die Pandemie sind größere Ausstellungen derzeit nicht möglich. ART WISDIS, wie Thomas‘ Label heißt, kann aktuell nur eingeschränkt stattfinden. Im vergangenen Jahr gab es einen Kunstweg, federführend mit Michaela Kindle. Dieser führt auf dem Hofgelände des Wisdishof entlang der Serpentinen. Als die ART Wisdis-Veranstaltung um Pfingsten nicht stattfinden konnte, wurde besagter Kunstweg mit sieben Stationen errichtet.

Kindle wählte dafür das Motto „Alice im Wunderland“. Entsprechend waren beim Kunstweg etwa Telefone, Tassen, Stühle mit Moos und auch ein Wunschbaum anzutreffen.

Beim Wunschbaum hingen natürlich vermehrt Wünsche wie nach dem Ende der Corona-Zeit oder Sehnsüchte, dass die Schulen wieder öffnen mögen und ähnliches.

Auch für 2021 ist ein Kunstweg geplant, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Den ganzen Sommer über können Menschen diesen beim Wisdishof erleben.

Entstanden sei die ganze Kunstgeschichte – wie so vieles, betont Thomas – durch Zufall. In einem der zahlreichen Gespräche mit Patienten stieß Thomas so auf einige der heute ausstellenden Künstler. Eins kam zum anderen, ART Wisdis war geboren.

Aus einem Fotoprojekt wurde ein Buchprojekt

Thomas' Eltern Karl und Maria als Vorfahren des Wisdishof im Buchprojekt (Fotos: Claudia Thoma / Illustration: Magazin "baden.", Mai 2017)
Thomas‘ Eltern Karl und Maria als Vorfahren des Wisdishof im Buchprojekt (Fotos: Claudia Thoma / Illustration: Magazin „baden.“, Mai 2017)

In Zusammenarbeit mit der Fotografin Claudia Thoma waren zunächst einige Bilder geplant. Thomas wollte zunächst nur neues Material für die Internetauftritte des Wisdishof, weitere die Sache jedoch aus. Die Bilder der Fotografin Thoma zeigten Thomas, einige Familienmitgliedern und einige weitere Simonswälder in Schwarzwälder Tracht sowie Bauernkleidung. Dazu verfasste er Texte, griff die Ergebnisse der Ahnenforschung wieder aus und beschloss, eine Art Kurzbiographie der früheren Bewohner des Wisdishof zu erstellen.

Heraus kam schließlich ein umfangreiches Buchprojekt. Mit Michael Wissing gesellte sich schließlich ein Food-Fotograf hinzu. Durch Beziehungen konnte so das Werk „Black Food Forest“ beim renommierten Verlag Gräfe und Unzer platziert wurde.

Es sollte in einem nächsten Schritt allenfalls ein kleiner Bildband für Simonswald oder so werden. Die Sache entglitt jedoch ein wenig, es wurde schließlich ein offizielles Buch bei GU.

Cover des Buches "Black food Forest", erschienen bei Gräfe & Unzer
Cover des Buches „Black food Forest“, erschienen bei Gräfe & Unzer

Sehr interessant für Thomas war, dass seine Texte über den Wisdishof durch GU nicht nur gesichtet, sondern auch für den internationalen Markt übersetzt wurden. Diese sehr vertrauten Texte plötzlich auf Englisch zu lesen, sei eine intensive Erfahrung gewesen.

Insgesamt wurde das Projekt zwar stark verändert gegenüber des ursprünglichen Plans. Dennoch fand Thomas Gefallen daran. Der Redakteur Schmieder von der „Badischen Zeitung“ ergänzte weitere Texte und Wissing schnürte ein Paket für das Buch, um es Verlagen vorzustellen.

Der Standort Simonswald ist wohl doch lukrativ

Regelrecht erfreut zeigt sich Thomas auch, dass durch die Kunstprojekte immer wieder intensive Gespräche entstehen. So haben auf dem Wisdishof inzwischen etwa die Fotografin Tamara Burk und der Goldschmied Markus Ruder ihre Geschäftsräume bezogen.

Burk suchte in der Zeitung mit einigen Bedingungen ein Atelier. Thomas dachte zwar zunächst, dass dies eher nicht klappen würde, bot er ihr dennoch passende Räumlichkeiten des Wisdishof an. In Kombination mit den vielen Motiven rund ums Hofgelände sagte sie nach der Besichtigung zu. Seither bietet sie ihren Kund:innen Shootings mit vorherigem Make-Up an – meist kombinieren diese das Event mit einem Aufenthalt in Simonswald. Einige von Burks Werken sind im Schaufenster bei der Dorflinde neben der Krone-Post zu sehen.

Auch Goldschmied Ruder fand Gefallen an den Räumlichkeiten. Bei einer ART Wisdis-Kunstausstellung informierte er sich bei Thomas. Schnell wurde ein Raum hergerichtet, in dem Ruder seitdem unter anderem Ringe schmiedet. Auch Hochzeitspaare können diese nach Anleitung selbst schmieden. Das Event ist auf einen Tag angesetzt mit abschließendem Essen.

Natürlich liegt auch der Gedanke nahe, dass sich Goldschmied und Fotografin bei den Events zusammen tun. Bislang fand dies jedoch aufgrund der Pandemie nicht statt. Thomas zeigt sich hier jedoch zuversichtlich.

Wie ART Wisdis entstand

Die Kunstveranstaltungen hatten ihren Ursprung in den Praxisräumen des Sympathiedoktors Thomas. Die damals erste Künstlerin Michaela Kindle war mit ihrer Tochter Patient und kam mit Thomas ins Gespräch. Mit dem Gedanken, sehr gerne einmal auf der Art Basel ausstellen zu wollen, wurde ein überschaubares Pendant auf den Wisdishof projiziert.

Durch Beziehungen und die Befragung persönlich bekannter Künstler war „der Stall dann relativ schnell voll“ – die erste Kunstausstellung konnte stattfinden.

Bei der Veranstaltung selbst hatte jeder ausstellende Künstler einen eigenen Raum im alten Hofgebäude zur Verfügung. Vom Gewölbekeller bis zum Dachboden war Unterschiedlichstes zu sehen. Alle Künstler hatten – wie immer bei Thomas – freie Hand, wodurch eine interessante Mischung entstand.

Beziehungen sind das halbe Leben

In der Schlussrunde konstatiert Thomas, dass er hauptsächlich übers „Warzen wegmachen“, wie er die Sympathiebehandlungen bei Menschen bezeichnet, die meisten seiner heute so wichtigen Kontakte kennenlernte.

Die dort geschilderten Schicksale haben ihm aufgezeigt, wie viel unnötige Energie verbraten wird, wenn man sich an irreversiblen Dingen aufreibt, so dass sich dies sogar gesundheitlich auswirkt. Dadurch wurde auch er selbst bedeutend lockerer.

Thomas nehme seine Chancen wahr, wie sie kommen, ist sehr offen für Neues und sieht sich als Macher. Das Budget im Auge behalten und den Kritikern trotzen. Er ist für viele Erfahrungen dankbar, vom Kapellenbau über ART WISDIS bis hin zur freien Rede vor über hundert Menschen im Rahmen der Kunstausstellung. Gelegentliche Termine mit dem SWR oder auch bei diesem Podcast „Simonswald – Ein Schwarzwalddorf erzählt…“ runden seine Erfahrungen ab. Auch sei es immer wieder interessant, wie ihn andere Menschen nach Gesprächen sehen – etwa, wenn sie dies in Textform niederschreiben. Das nehme ich, Stephan Wehrle, als Autor dieses Textes schmunzelnd zur Kenntnis, lieber Thomas. Denn auch dieser entstand nach einem Gespräch.

Links zum Beitrag

2 Kommentare zu „Einblicke in den Wisdishof – Von Warzen, Kunst und anderen Kuriositäten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*